Sechs Monate Schulkind

Das erste Halbjahr im ersten Schuljahr ist geschafft. Ein erstes halbes Jahr voller erster Erlebnisse, Erfahrungen und Momente.

Was genau ein Schulkind mit sechs Jahren anders macht als ein Kind mit fünf? Das kann ich definitiv nicht beantworten. Nur so viel: die Veränderung ist schon groß und wenn ich mir Videos noch aus dem März anschaue, dann sehe ich heute einen viel größeren Jungen. Gar nicht unbedingt nur körperlich, sondern auch und vor allem geistig.

Übergang von der Kita zur Grundschule

Heute erzähle ich, wie es uns allen in den letzten sechs Monaten ergangen ist. Denn der Einritt in die Schule ist nicht nur für das Schulkind, sondern auch das Geschwisterkind und die Eltern eine Umstellung.

Die Ferien und somit auch die Urlaubsplanung sind bei uns – seit dem Junior in der Schule ist – auch verändert worden. Dies beziehe ich kein wenig auf die Veränderungen aufgrund eines Virus, sondern auf die eingeschränkte Flexibilität. Wir es haben in den letzten Jahren immer sehr gemocht, dass wir frei sein konnten von den vorgegebenen Schulferien und somit unsere Reisen passend zu unseren Bedürfnissen planen konnten. Da wir bisher sehr gerne in Fernost-Asien unterwegs waren, war meist der April eine gute Reisezeit und manchmal eben auch schon der März. Dies ist jedoch eine andere Reisezeit als die Osterferien.

Mittlerweile kostet die Schule auch Geld. Also im Gegensatz zum Kindergarten. Schreibhefte, Arbeitshefte, Stifte und Schulranzen. Es gibt etliche Dinge, die wir speziell und passend den Vorgaben der Schule kaufen mussten. Das finde ich persönlich immer noch am umfortschrittlichsten: also, dass jede Familie das selbst einkaufen muss. Ich verstehe den Gedanken, dass jedes Kind einen individuellen Ranzen haben möchte, jedoch sind die Hefte, das Arbeitsmaterial und auch die Buchumschläge alle gleich. Da könnte die Schule diese Organisation auch übernehmen und eine Pauschale für die Eltern abrechnen. Ich bin sicher nicht die einzige Mutter, die nochmals etwas nachkaufen musste, weil ein Heft das passende war. Stichwort: Kieserblock – vorher hatte ich noch nie davon gehört und im laden völlig überfordert von einem Angebot aus 20 unterschiedlichen Kieserblöcken. So lerne sogar ich noch dazu.

Der neue Tagesablauf in der Grundschule

Morgens früh aufstehen ist für uns alle eine der größten Umstellungen gewesen – denn Frühaufsteher waren wir wirklich nie. Auch die Flexibilität bei der Betreuung ist eine andere als im Kindergarten, denn die Schule ist eindeutig festgelegt – von den Zeiten her bei uns auch klar definiert, da wir mit der Ganztagesklasse einen genau vorgegeben Zeitraum haben.

Die Schule beginnt pünktlich um 8 Uhr – aufgrund der aktuellen Corona-Regelungen wurde dies ein bisschen angepasst, jedoch bleibt es beim Schulstart wie auch in meiner Kindheit.

Wir haben schon vorab – ohne es zu stark forcieren zu wollen darauf geachtet, dass die Kinder pünktlich ins Bett kommen. Pünktlich in Bezug auf immer die gleiche Uhrzeit. Denn das macht sehr viel aus – meiner Meinung nach.

Morgens war es dann in der ersten Woche schon eine große Veränderung, denn so früh waren wir sonst selten wach. Da ich selbst morgens auch eher schlecht aus dem Bett komme, habe ich den druck auch von mir genommen, in dem ich noch vor den Kindern aufgestanden bin und Junior dann kurz nach mir geweckt habe.

Wir hatten einen großen Puffer bis zum Schulbeginn von gut ein bisschen über einer Stunde. Das ist sicher nicht für jede Familie die richtige Zeit, für uns jedoch passend. Denn vor allem das hektische Losgehen wollte ich vermeiden. Entspannt in den Tag starten und somit auch entspannt zur Schule gehen gehören für mich ganz klar zusammen.

Morgens haben wir auf dem Weg zur Schule knapp 10 Minuten Zeit und einfach zu unterhalten. Da die seien Schwester noch länger schläft, finde ich das auch ideal, denn wir können ungestört und zu zweit sein. Abwechselnd haben mein Mann und ich unseren Sohn in die Schule gebracht. Manchmal treffen wir bereits Schulkameraden auf dem Weg, jedoch ist es meist ein Weg zu zweit.

Neben dem Schulweg ist auch die Zeit davor wichtig, denn Frühstück vor der Schule zu essen ist unabdingbar. Morgenhygiene, Anziehen und dann geht es schon los.

Den Schulranzen packen wir am Vorabend und die Kleidung für den Tag legen legen wir auch schon vorab heraus. Den Tipp mit der Kleidung hat mir meine Mama gegeben und ich finde diesen Tipp sehr wichtig, denn morgens im dunkeln nach Kleidung suchen, bringt eher Stress.

Auch das Wort Routine wird bei uns groß geschrieben, denn die Zeit, die wir morgens immer gleich gestalten, gibt Junior definitiv einen entspannten Start in den Tag.

Das Frühstück war bei uns schon seit jeher immer ein Müsli mit Körnern und Nüssen – ohne Zucker. Da die Schule sicher selbst als Zuckerfrei beschreibt, kommt uns dies auch entgegen, denn wir vermeiden unnötige Diskussionen über den Inhalt der Brotbox.

Sechs Monate Schulkind BineLovesLife

Loslassen lernen: Selbständigkeit in der Grundschule

Der sicher größte Schritt in Richtung Selbstständigkeit ist eben auch der Fakt, dass wir als Eltern nicht mehr in die Schule gehen können. Das hat gar nichts mit den Regelungen rund um Corona zu tun, sondern ist seit jeher Devise der Grundschule. Ich finde das sehr begrüßenswert.

Bereits im letzten Jahr vor der Schule, haben wir bemerkt, wie sehr Junior unbedingt allein in den Kindergarten gehen will. Das war jedoch von der Kita nicht erlaubt. Wir kamen also immer hinterher und meldeten uns kurz zu Wort, dass er nun offiziell „abgegeben“ ist.

Auch bei der Schule gibt es viele Dinge, die wir Eltern nicht mitbekommen – und das ist auch völlig in Ordnung. Es ist nicht unsere Schulerfahrung, sondern die unseres Kindes. Das Loslassen als Eltern beeinflusst meiner Meinung nach maßgeblich die Selbstständigkeit des Kindes.

Der gemeinsame Schulweg mit den Schulkameraden ist für uns sicher hilfreich, wenn Junior noch mehr Freiraum möchte. Wir forcieren den alleinigen Schulweg nicht und geben ihm einfach die Wahl. Ich denke, da sollte jedes Kind seinen eigenen Weg gehen können. Soll bedeuten: einige Kinder möchten bereits ab dem ersten Tag allein zur Schule gehen, andere eher lieber mit den Eltern. Wir haben also immer die Option, dass Junior mit einigen seiner Klassenkameraden gehen kann, die in der Nähe wohnen. Bisher war es jedoch eine nette Ergänzung und keine Verpflichtung.

Bei vielen Meilensteinen, die durch die Schule erreicht werden – wie zum Beispiel Lesen lernen, rechnen – wird uns bewusst, dass Junior einfach immer mehr seinen eigenen Weg geht. Die ist kein Abbruch für unsere Eltern-Kind-Beziehung. Viel mehr ist es eine Bestätigung seiner eigenen Selbstständigkeit, wenn wir ihn auch mal mehr sich selbst überlassen. Denn sind wir mal ehrlich: lesen lernen muss er schon allein, wenn ich ihm alles vorsage, wird er es nicht können. Ähnlich wie die Praxis ja auch für uns Erwachsene funktioniert: wenn man etwas selbst ausprobiert hat, weiß man viel besser, wie es funktioniert. Wieso sollte das also nicht auch auf unsere Kinder zutreffen?

Pflichten und Erwartungen an und für das Schulkind

Passend dazu kommen auch die neuen Pflichten und Erwartungen, die Junior nun in der Schule ererbt: er muss zu einer bestimmten Uhrzeit da sein, seine Hausaufgaben machen, im Unterricht mitarbeiten, stillsitzen.

Auch bei uns war es so, dass die ersten Wochen sehr anstrengend waren – im Beruf, auf Arbeit und sogar in der Mutterrolle. Bei Junior ist es nun mit dem Eintritt in die Schule nicht anderes gewesen. Es hat mich, um ehrlich zu sein, sogar an den Anfang in der Krippe und sogar an den Beginn im Kindergarten erinnert. Nachmittags war er absolut müde, erschöpft und wir haben mit ihm gefühlt, denn diese Umstellung ist für uns alle immer wieder eine Veränderung gewesen. Sogar die kleine Kaiserin war erschöpft, denn sie war auch neu im Kindergarten und merkte auch, dass zu Hause alles verändert wurde. Naja, vielleicht nicht alles, jedoch vieles.

Die Schule birgt viele Herausforderungen – meiner Meinung nach jedoch nur, weil sie messbar werden. Oder weil sie eben gemessen werden. Im Kindergarten gibt es genauso viele neue Anforderungen, die jedoch anders kommuniziert und wahrgenommen werden.

Mit Herausforderungen meine ich gar nicht Überforderung oder gar etwas Anstrengendes, einfach generell die Veränderung. Die Kinder lernen sehr viel Neues und sind auch in einem neuen Gruppengefüge.

Ein paar Anregungen für die neuen Veränderungen:

Die Hausaufgaben sind sicher für alle Kinder die größte Veränderung im Vergleich zum Kindergarten. Jeden Tag müssen die Aufgaben neu absolviert werden und es gibt keine Ausnahmen. Auch wenn es im Kindergarten schon viele Eltern gibt, die ihren Kindern gerne die Vorschul-Lernhefte und Lernhefte geben, werden diese eben von den meisten nicht jeden Tag bearbeitet, sondern eher sporadisch und nach Gemütslage. Für die Hausaufgaben zu Hause ist vor allem Ruhe und eine entspannte Atmosphäre am wichtigsten. Wie das Lesen lernen gut gelingt habe ich bereits in einem separaten Blogpost aufgeschrieben.

Ich erinnere mich noch sehr gut an den ersten Elternabend, der direkt vor dem Schuleintritt stattfand: hier erwähnte die Lehrerschaft, dass der Schlaf das wichtigste für den Anfang sei. Denn jeden Morgen um 8 Uhr pünktlich und lernbereit in der Schule zu sein ist eben etwas anderes als im Kindergarten zu spielen. Beides ist sicher fordernd, doch die Messlatte ist in der Schule höher. Wir haben daher seit dem Sommer sehr auf Rituale und immer gleiche Abläufe geachtet. Für uns gehört dazu auch der Abendprozess, denn dieser beendet den Tag immer geborgen und entspannt. Zu unserem Abendprozess gehört ganz klar auch das Vorlesen.

Unnötiger Druck ist in der Schule von den Eltern nicht angebracht. Ich glaube, dass die meisten Kinder sehr gut wissen, was von ihnen erwartet wird. Die Umstellung, die mit der Schule neu aufkommen, sind eben nicht nur die des Lernens. Die soziale Struktur verändert sich ein weiteres Mal: neue Freunde, Klassenkameraden und eben auch die Funktion der Lehrerin/des Lehrers. Unnötiger Druck von uns Eltern über schulische Leistungen wären da erstmal unangebracht. Wir wollen nicht bestimmte Noten fördern, sondern eher, dass unser Kind die Inhalte in der Schule versteht und so auch gut im Unterricht mitarbeiten kann.

Schulhof-Kontakte und Klassenkameraden: Sozialkompetenzen auf dem Prüfstand

Ein sicher besonderer Aspekt, der ein wenig an den Übergang in den Kindergarten erinnert, ist bei der Schule, dass das Kind „wieder von vorne beginnt“. Auf einmal ist unser Kind nicht mehr der Größte, sondern in der ersten Klasse wieder „der Kleine“. Die Veränderungen durch die Schulhof-Kontakte – so sie eben auch in Zeiten der Pandemie eingeschränkt waren, aber dennoch sichtbar wurden – und die Klassenkameraden ist für alle neu.

Nicht jedes Kind liebt den Umgang mit neuen Kindern, doch neugierig sind sie alle. Ich halte nichts von Ermutigungen, dass die Kinder doch offen auf neue Kinder zugehen sollten. Ich bin eher der Meinung, dass wir als Eltern die Aufgabe haben, dem Kind genau die Unterstützung zu geben, die es braucht. Halt und Sicherheit.

Jedes Kind ist anders und während ein Schulanfänger bereits nach einer Woche neue Kontakte schließt, ist ein anderes Kind zurückhaltender. Für uns ist vor allem wichtig gewesen, dass Junior erstmal in der Klasse und dem Verbund ankommen kann. Die Lehrerin kennenzulernen ist auch eine andere Geschichte, denn anders als im Kindergarten ist die Zusammenarbeit mit der Lehrerin (oder dem Lehrer) definitiv da. Wir haben daher immer darauf geachtet, was Junior berichtet und wie er sich in der Gruppe und der Klasse angekommen fühlt oder nicht.

Generell bin ich auch für eine offene Kommunikation und glaube, dass ein Gespräch mit der Lehrerin auch immer hilfreich ist, denn nur so lernt man sich kennen. Wir dürfen – wie bereits erwähnt – nicht in unsere Schule hineingehen (also die Eltern) und daher ist der telefonische Kontakt und der Austausch mit der Lehrerin unabdingbar.

Schulstress in der Grundschule

Schulstress ist sicher ein Thema heutzutage, das es vorher so noch nicht gab. Auch bei uns gibt es viele Kinder, die bereits mit fünf Jahren in die Schule gehen. Das nennt sich bei uns in Hessen „kann-Kind“ – also kann zur Schul gehen, muss aber nicht, da der Geburtstag nach dem Schulpflichtstermin liegt und vor der Grenze vom 30.9.

So sehr ich auch weiß, dass jedes Elternteil nur das Beste für seine Kinder im Sinn hat, gibt es eben auch Eltern, die von ihren Kindern sehr viel Verlangen und bereits im Kindergarten Förderprogramme fordern. Der Stress, der dadurch für dasKind entstehen kann, ist sicher ähnlich wie bei Erwachsenen, die überfordert werden: Depressionen, Verhaltensstörungen, Burnout.

Damit die Schulzeit in der Grundschule nicht zu einem Dauerstress wird, halten wir uns an diese einfachen Tipps:

  • Routinen und Rituale helfen uns im Alltag eine feste und klare Struktur zu geben. Der Tagesablauf ist daher auch gleichgesetzt mit Stabilität und Sicherheit. Schlaf muss ausreichend sein, um für Gelassenheit und starke Nerven zu sorgen.
  • Zu den Ritualen gehört auch der Umgang mit den digitalen Medien, die bei uns nun auch neu auf dem Plan stehen. Ja, es gibt die Möglichkeit Medienzeit einzulegen, jedoch eher limitiert.
  • Bereits im Kindergarten haben wir die Freizeitaktivitäten eher runtergefahren – einerseits wegen Corona, andererseits auch, weil im Vorschuljahr von Junior die Interessen eher andere wurden und wir gemerkt haben, dass er vor allem Freunde treffen möchte.
  • So kam es auch, dass wir immer mehr draußen waren. Bewegung an der frischen Luft – das entspannt nicht nur mich besonders, sondern die Kinder umso mehr: happy mom, happy kids. Kinder spüren, wenn die Eltern unausgeglichen sind und so haben wir dann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Am Wochenende nutzen wir die Zeit als gemeinsame Familie, um in den Wald, den Park oder einfach bei uns am Main zu verbringen.
  • Für die Schule haben wir mittlerweile ein gutes gemeinsames Ritual und schauen gemeinsam in die Schulunterlagen: die Postmappe, die Hausaufgaben. So ergeben sich manchmal auch noch offene Fragen oder wir arbeiten an einem Thema weiter, was in der Schule nur angerissen wurde.

Welche Tipps für den Übergang vom Kindergarten zur Schule hast Du?

#Schulkind

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