Tag der Legasthenie und Dyskalkulie

Bereits in drei Tagen findet der Tag der Legasthenie und Dyskalkulie statt. Gemeinsam haben der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.v. (BVL) und die Deutsche Kinderhilfe den „Tag der Legasthenie und Dyskalkulie“ am 30. September ins Leben gerufen.

Fördersituationen gibt es in Deutschland viele. Doch vor allem für die Kinder haben die Monate seit Februar 2020 mal wieder deutlich gezeigt, was wirklich fallen gelassen wurde: die Kinder.

Kindeswohlgefährdung durch den Staat

So krass muss man es sagen, denn Kinder und Eltern lassen sich nicht für dumm verkaufen. Ohne jegliche Wirkung verpufft das Aufholpaket für Kinder, das von vielen auch als Mogelpackung abgestempelt wird.

„Selbst Kinder mit einer Dyskalkulie können schnell erkennen, dass 120 € pro Jahr und pro Schüler*in nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind“, sagt Tanja Scherle, Bundesvorsitzende des BVL. Mehr Unterstützungsbedarf braucht es vor allem an den Schulen und somit generell im Bildungsangebot. Bereits vor einigen Wochen habe ich hier auf dem Blog das Buch von Verena Pausder vorgestellt, das sehr klar aufzeigt, wie die Schulen aussehen sollten.

Auch in der Schule bei uns in der Stadt gehört ein Förderverein dazu. Da ich mittlerweile nicht nur auf Stadtebene im Elternbeirat aktiv bin, sondern auch auf Landesebene mitarbeite und auch in der Bundeselternvertretung als Delegierte engagiert bin, merke ich, dass ein Förderverein einfach dazu gehört.

Doch wieso? Wieso muss dieser Förderverein da sein? Weil der Staat es nicht schafft die fehlenden Aspekte in der Schule aufzugreifen. Noch viel schlimmer – und mal wieder durch das Brennglas Corona hervorgeholt – ist dass wir im so modernen Deutschland leider wirklich hinterherhinken.

Auch nach Corona wird sich die Lage nicht entspannen, denn es fehlen Lehrkräfte mit der notwendigen Förderkompetenz. Der generelle Fachkräftemangel steht ja nicht nur in den Kitas an oberster Stelle, sondern ist auch bei den Lehrkräften zugegen. So wird sich die Situation in den nächsten Jahren nur zuspitzen, denn der Gesetzesanspruch auf die Ganztagsbetreuung in Schulen ab 2026/27 ist noch nicht mal voll mit eingerechnet.

„Stellvertretend für die Kinder gehen wir auf die Barrikaden, denn wir können nicht hinnehmen, dass das Kindeswohl so massiv durch den Staat gefährdet wird“

Rainer Becker, Ehrenvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe

Neben dem Fachkräftemangel in der Kita gibt es zusätzlich bereits zu wenige Lehrkräfte an Schulen, um den Regelunterricht abzubilden. Die Situation spitzt sich in den nächsten Jahren noch weiter zu. Eine Bestandsaufnahme der Fördersituation in Schulen ist daher notwendig – dringend notwendig sogar. Denn Lernprobleme für Schüler und Schülerinnen nehmen nur zu.

„Wir haben schon Alarm geschlagen, weil durch den Wegfall der Schulessen in Corona Zeiten viele Kinder keine warme Mahlzeit am Tag erhalten haben. Aber auch seelischer „Hunger“ von Kindern muss vermieden werden“, sagt Rainer Becker – Ehrenvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe.

Fehlender Unterricht und fehlende Förderung haben massive negative Folgen für Kinder – dies zeigten bereits erst Untersuchungen. Die Zukunftsperspektiven der Kinder sehen dramatisch aus, wenn sie in der Schule nicht mehr mitkommen. Und immer wieder kommt die gleiche Frage auf:

Wie viel ist dem Staat das Kindeswohl und die Bildung wert?

Die Frage nach dem Wert von Kindeswohl und Bildung darf definitiv gestellt werden. Denn mit grad mal 0,6 Prozent der Summe, die der Bund bisher in die freie Wirtschaft investierte hat, ein in der Pandemie in die Bildung. Bildungsungleichheiten gab es schon immer. Wie bei vielen Dingen hat Corona die Situation verschärfte. Die Bildungsungleichheiten werden noch weiter zunehmen, aufgrund der Corona-Maßnahmen der Bundesregierung.

„Seit Jahren kämpfen wir dafür, dass sich die Fördersituation in den Schulen verbessert. Wir werden immer wieder von den Bildungsministerien vertröstet, man habe alles im Blick, aber es passiert einfach nichts“, so Tanja Scherle. Die Freude am Beruf geht vielen Lehrkräften verloren, weil keine Ressourcen für die individuelle Förderung vorhanden sind. Schulen können nicht ausreichen unterstützen und wenn dann auch das Elternhaus mit der Situation überfordert ist, bleibt das Kind komplett allein.

„Der Staat hat den Auftrag, Sorge für das Kindeswohl zu tragen. Zum Aktionstag fordern wir die Bildungspolitik zu einer Bestandsaufnahme der Fördersituation auf, damit die Missstände deutlich werden und man Maßnahmenpakete schnüren kann“, sagt Rainer Becker. „Wenn wir die Augen noch länger verschließen und den Kindern nicht nachhaltig helfen, dann hat das auch negative Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und Wirtschaftskraft“, mahnt Becker.

Zum Tag der Legasthenie und Dyskalkulie am 30.09.2021 ruft der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.v. (BVL) zusammen mit der Deutschen Kinderhilfe dazu auf, Kindern mit Förderbedarf eine Stimme zu geben und sie tatkräftig zu unterstützen.

Weitere Informationen sind im Internet unter https://www.bvl-legasthenie.de/aktionstag abrufbar.

Legasthenie hält Dich nicht auf!

Einer der bekanntesten Persönlichkeiten mit Legasthenie ist Steven Spielberg. Passend zum „Tag der Legasthenie und Dyskalkulie“ und gleichzeitig zum sichtbar machen, dass Legasthenie ein Kind nicht aufhält oder gar dumm ist, hat Elina Gkekas eine Kampagne zum Thema Legasthenie und Dyskalkulie entwickelt.

Die wichtigste Nachricht dieser Kampagne ist „Menschen mit Legasthenie sind nicht dumm“. Die Studentin Gkekas der Hochschule Darmstadt im Fachbereich Gestaltung Kommunikationsdesign trifft damit den wichtigsten Punkt für Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie.

Der folgende kleine YouTube Film soll dazu beitragen, die Stärken von Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie anzuerkennen.

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