Boy vs. Girl

Nun ist es also auch bei mir so weit. Ich bin Mama von einem Mädchen und einem Jungen. Ich habe meine erste Babyerfahrung und wahrlich Kindererfahrung mit einem Jungen gehabt. Seit dem die kleine Kaiserin nun jedoch schon fast ein Jahr auf der Welt ist, beobachte ich mich regelmäßig wie ich beide vergleiche. Sind das Vorlieben? Habe ich das anerzogen? Oder ist es genetisch so bedingt?

Heute möchte ich ein wenig mehr darauf eingehen und in meinem Text erörtern, wie genau die Geschlechterrolle entsteht.

Vorurteile, Vergleiche

Das Geschlecht eines Menschen wird nicht nur rein biologisch festgelegt. Kinder orientieren sich nicht nur an ihren Eltern, um ihre geschlechtliche Identität zu finden. Ein weiterer Aspekt ist die Umgebung: Betreuungspersonen, Konsum und Medien formen ein Bild von Mann und Frau. Leider geschieht dies nicht immer im Sinne einer individuellen Charakterentwicklung. Vor allem Jungs geraten so eher durcheinander. Mittlerweile ist nichts besonderes mehr, wenn Mädchen Hosen tragen oder gar Fussball spielen. Geht ein Junge jedoch mit lackierten Fingernägeln aus dem Haus, spielt mit dem Puppengeschirr oder zieht sogar mal Mamas Schuhe an, dann wird komisch geschaut. Vor allem wir Erwachsene reagieren merkwürdig.

Auch wir konnten die Erfahrung schon machen, dass wir angesprochen wurden wieso wir Junior mal die Nägel lackiert haben. Kann man genderkompetent erziehen ohne gleich von anderen Eltern kritisiert werden zum müssen?

80% Genetik – stimmt das?

Die Wissenschaft beschäftigt sich schon lange mit den geschlechterspezifische Persönlichkeitsmerkmalen sind schon lange ein Thema, das auch die Wissenschaft beschäftigt. Was ist anerzogen und was genetisch?

Mädchen lieben Sprache und Jungs haben eine bessere räumliche Vorstellung? Hormonell oder doch genetisch – was genau macht einen Menschen zu einem Mädchen und später zu einer Frau und wie wird festgelegt, dass jemand ein Junge ist und später ein Mann wird?

Fähigkeiten, die Kinder später typisch für ihr Geschlecht auszeichnen, sind jedoch auch oft in der Kindheit so erlernt worden. Die meisten Jungs bekommen nun mal eine Eisenbahn, Autos und Bauklötzer geschenkt. Ja, ich habe auch versucht darauf zu achten, dass wir dies differenzieren, aber seit die kleine Kaiserin da ist, kann ich klar sagen: mensch, was haben wir doch für unheimlich viel „typisches Jungsspielzeug“. Sicher nicht alles, aber vieles. Und auch die kleine Kaiserin wird eine Puppe zum ersten Geburtstag bekommen. Finde ich das genderinkompetent? Nein! Ich glaube, eine süße Puppe ist doch auch niedlich. Ob sie jedoch damit spielt, werde ich ihr überlassen. Aktuell liebt sie sowieso die Autos und Bauklötzer von Junior – aber auch einfach deshalb, weil wir so viel davon haben.

Meiner Meinung nach sollten wir Eltern entspannter reagieren: die Kinder Kinder sein lassen und ihnen so unterschiedliche Spielzeuge wie möglich zur Verfügung stellen. Junior spielt gerne mit der Puppe und meinem alten Polly Pocket. Letztlich habe ich sogar meine alte Barbiekiste gefunden. Wobei es keine richtige Barbie gibt. Auf meinem Instagram Kanal habe ich bereits das ein oder andere Mal Bilder gezeigt. Es ist eine Puppe, die ich aus Japan besitze. Wie ich von einer meiner Leserinnen erfuhr, handelt es sich sogar um eine koreanische Figur.

Pädagogisch gesehen ist meine Nachbarin und gute Freundin oft eine echte Wissensquelle. Schon des öfteren hat sie mir erzählt, wie auch in Kindergärten das Thema „Jungen“ besprochen wird. Jungen sind anders und oft auch nicht so einfach zu handeln. Muss das aber so sein? Das genau kann ich gar nicht beantworten und glaube eher, dass man seinem Kind genügend Freiraum lassen muss. Ich möchte am liebsten einen Jungen, der auch zu seinen Emotionen stehen kann. Mein Mann wünscht sich Junior oftmals etwas rabaukiger. Wie er dann jedoch als Mann wird, werden wir dann sicher sehen, aber schon jetzt können wir erahnen wie es sein wird.

Genderkompetent erziehen…was soll das sein und wie geht es?

Vor allem jetzt, da ich Mutter von einem Mädchen und einem Jungen bin, fällt mir immer wieder auf, wie sehr ich es nicht mag, wenn man meine Tochter nur als „niedlich“ oder „süß“ betitelt. Ja, sie ist grad mal ein Jahr und eigentlich war sie mehr oder minder ein Baby.

Dennoch bringen mich diese Aussagen zum Nachdenken. Was genau wird sie wohl denken, wenn sie es versteht? Und ja, sie wird sicher zuerst verstehen, was zu ihr gesagt wird, bevor sie selbst reden kann.

Ich gebe auch offen und ehrlich zu, dass ich kein Freund von rosa bin – selbst trage ich doch auch rosa und auch mal pink, aber vor allem bei der kleinen Kaiserin möchte ich nicht unnötig diese Farbe an ihr überziehen. Und doch hat sie mittlerweile schon so viele rosafarbene Kleidung, dass ich es schwer finde „neutrale“ Farben zu finden. Ich möchte nicht gleich, dass sie rumläuft wie eine Erwachsene, aber was sind die Alternativen?

Kinder sollen für mich vor allem erstmal Kind sein dürfen. Bunt angezogen und auch mal nicht nur „niedlich“ oder „süß“ aussehen. Ich glaube nicht, dass ich das immer so perfekt umsetze und dennoch strebe ich danach. Rosa und blau zu umgehen ist leider auch wirklich schwer. Die meisten Firmen bieten hauptsächlich diese Farben an und ich weiß, dass es auch in vielen Köpfen noch so aussieht. Einen Satz aus unserem New York Urlaub im August werde ich so schnell nicht vergessen:

natürlich muss ein Mädchen rosa tragen, das steht doch für die Liebe zu Deinem Kind

Und die Verkäuferin meinte dann noch, dass man seinem Kind doch nie schwarz anziehen würde – deshalb gibt es auch nichts schwarzes an Kleidung für Kinder zu kaufen. Denn schwarz steht für Trauer und das man sein Kind nicht mag. Ich war baff, was soll ich sagen. Etwas veraltet war es schon, aber irgendwie fühlte ich mich auch getroffen. Ich liebe meine Kinder. Ich liebe sie – egal welche Kleidung sie haben. Ja, jetzt kann man kontern: ist doch egal. Und lass dich nicht von diesen Aussagen stören. Aber sie stören mich dennoch. Sie sind merkwürdig – im doppeldeutigen Sinne – und zeigen auch, was die Gesellschaft ausmacht. Oftmals einfach noch veraltete Rollenbilder und meiner Meinung nach falsche Vorstellungen. Das sind dann die gleichen Leute, die später über unsere Kinder urteilen und ihnen allenfalls keine Chance im Job, beim Studium und allgemein geben. Das sind auch die Einstellungen, die dazu führen, dass Frauen heutzutage immer noch weniger – deutlich weniger – verdienen als Männer. Und das ist doch traurig, oder?

Ich meine wir leben doch im Jahr 2018. Oder habe ich was verpasst?

Meiner Meinung nach ist also genderkompetent auch offen sein und nah bei seinem Kind sein. Ich glaube, dass das einfach ist – wenn man sich nicht blenden lässt. Nicht stören lässt von Erwartungshaltungen und eigentlich auch den Möglichkeiten, die man seinem Kind heute bieten kann.

Kinder imitieren auch männliche und weibliche Bezugspersonen. Das war mir klar und deshalb achten wir zu Hause auch darauf, dass mein Mann und ich beidermaßen im Haushalt mit anpacken. Klar, ist das nicht möglich und eigentlich leben wir dieses veraltete Model, dass der Mann arbeitet und die Frau bei den Kindern zu Hause ist. Kinder dürfen auch ausprobieren und entdecken. Dies sollten wir als Eltern unterstützen – fernab von klassischen Geschlechterrollen. Junior liebt es mit kleinteiligen Spielzeugen zu spielen und da ich mein altes Polly Pocket noch besitze, war es nur logisch, dass er damit vertraut wird und damit spielen darf.

Ich glaube so lebt man auch genderkompetent – nah beim Kind und vor allem ehrlich.

Jungs lieben Puppen BineLovesLife

Von Weicheiern und Haaren auf den Zähnen

Ja, auch ich mache mich lustig und finde es witzig, wenn Leute denken, dass man aufgrund von bestimmten Verhaltensweisen und Sichtweisen sein Kind schwul oder lesbisch macht. Das ist so lustig, dass es schon wieder blöd ist.

Kann man sein Kind zu einem Weichei erziehen? Ich glaube nein. Ich glaube aber, dass man sein Kind überbehüten kann und damit einfach nicht genug Raum für seine persönliche Entwicklung lässt. Jeder kennt den Begriff „Helikoptereltern“ und weiß sofort bestimmt auch Bekannte, die so leben und ihre Kinder so erziehen.

Fernab von Erwartungen, dass Kinder nur verstehen können, wie eine Mann und eine Frau zu sein hat, sollte das Kind doch lernen dürfen, was es selbst mag und wie es selbst in diese Welt passt. Sich selbst zu lieben und anzunehmen ist ein hohes Gut und wir Eltern können entspannt zuschauen, was aus dem kleinen Kind für ein Mensch wird.

Kennst Du die Flut von Bildern und Eindrücken, die uns auch als Erwachsener viel zu oft ein klassischen weibliches oder typisch männliches Bild verkaufen will? Was stört Dich am meisten daran?

#FamilyFriday
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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Tina sagt:

    Ich habe auch einen Jungen und ein Mädel. Und ich bin da ganz deiner Meinung. Das große Problem kommt aber dann, wenn sie in den Kindergarten gehen. Mich kann man mit rosa, Glitzer und Einhörnern ja jagen. Oder Elsa nervt mich inzwischen tierisch, obwohl ich zwischenzeitlich wirklich mal froh war, dass ich nun auch „elsa-farbene“ Sachen kaufen durfte. Beim Großen darf bloß nichts kindliches mehr auf die Shirts aufgedruckt sein. Rot geht aber zum Glück noch. Aber er spielt ausschließlich mit den typischen Jungssachen. Lego, Carrera, Fischer Technik. Bei ihr steht dafür seit Weihnachten ein Barbie-Haus im Zimmer, das ich ihr eigentlich nie kaufen wollte. Tja.
    Mein Mann und ich leben ihnen das eigentlich auch nicht vor. Ich bin kein Püppchen, nie gewesen. Und mein Mann hilft viel im Haushalt. Kocht und putzt.
    Aber ich komme da nicht dagegen an. Beim Buben stört es mich nicht so sehr, wie bei meiner Tochter. Wahrscheinlich weil ich selbst nie so war. Mein größter Wunsch damals war eine Eisenbahn, und die habe ich nicht bekommen, weil ich ein Mädchen war. Und doch sind meine 3 Geschwister und ich (2 Jungs und 2 Mädels) alle immer extrem gut in den Naturwissenschaften gewesen und haben alle Ausbildungen/Studien im technischen Bereich ergriffen. Ich habe also noch Hoffnung.
    So, irgendwie habe ich mich jetzt verzettelt. 😀
    LG, Tina

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    1. Ach liebe Tina, Du hast das toll gesagt…irgendwie ist es ein wenig herzzerreißend, wenn man das so bei seinen Kindern beobachtet und dann irgendwie ist es auch ein wenig schön loslassen zu können. Ich hadere auch so oft damit, ob es eine gute Sache ist, dass Mädchen Rosa lieben und Jungs Dinos und „böse“ Sachen.
      Wer weiß schon, was später rauskommt, dennoch ist es wichtig darüber nachzudenken – das macht glaube ich schon viel aus.

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  2. kunterbunt79 sagt:

    Finde dieses Schubladendenken auch furchtbar. Ich habe zwar nur Mädchen, aber die Kleinste packt gerne mit an. Hat Arbeitshandschuhe um Papa zu helfen. Beide machen Karate und die Große ist in Mathe ein Ass, in de Sprache zwar auch gut, aber sie will Lehrerin in Mathe und Physik werden….man sollte den Kids ihre Freiheit lassen und sie ausprobieren lassen

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    1. Du sagst es: Freiheit ist so wichtig

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  3. schokominzabonn sagt:

    Spannender Beitrag! Ich habe zwei Mädchen, die sehr unterschiedlich sind. Auch da ist es interessant zu beobachten, wann sie mädchen-typisch sind und warum (nicht).

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    1. Das kann ich mir gut vorstellen

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