Großer Bruder – kleine Schwester

Die kleine Schwester oder der ältere Bruder – lässt man die Eltern aussen vor, gibt es keine grössere und beständigere Liebe als die zu den eigenen Geschwistern. Kinder, die mit Geschwistern aufwachsen, zeigen laut Studien eine stärker ausgeprägte Sozialkompetenz im Erwachsenenalter.

Allerdings müssen Eltern schon etwas dafür tun, dass aus rein genetisch bedingten Geschwistern auch „Brüder“ im Geiste werden. Unter der innigen Liebe schwingt naturgemäss auch Konkurrenz und es gibt Faktoren wie den Altersabstand oder die Geschlechterrollen, die die Qualität der Geschwisterbeziehung selbst bei aller Gleichberechtigung beeinträchtigen können. Nun können Eltern diese Parameter zwar nicht beeinflussen, aber das Wissen darum zumindest in ihre Erziehung einfliessen lassen.

 

Geschwister, die heimlichen Erzieher

Der Einfluss, den Geschwister aufeinander nehmen, hat einen hohen Stellenwert für die gegenseitige Charakterformung. Das Spiel sozialer Interaktion aus Durchsetzen und Nachgeben, das Einzelkinder nur für Stunden in der Kindergartengruppe oder Schulklasse üben, wird bei Geschwisterkindern dauerhaft auf die Familie ausgeweitet. Den Bruder oder die Schwester kann man sich nicht aussuchen. Auch beenden, wie eine zerstrittene Freundschaft, kann man eine solche Beziehung nicht. Vielmehr muss man lernen, miteinander auszukommen. Die Kräfte sind unter Geschwistern anders verteilt, als in der Beziehung zu den Eltern. Geschwisterkinder können durchaus auf derselben Stufe stehen oder aber in einer klar gesetzten Rangfolge agieren. Da wird der Bruder zum Komplizen, während er auf der anderen Seite als Widersacher in Erscheinung tritt. Das schult und fordert die soziale Kompetenz und das Vermögen, sich in andere einzufühlen.

 

Welche Konstellationen am besten funktionieren

Im Allgemeinen kann ein geringerer Altersabstand auch eine grössere Nähe bedingen. Die Kinder erleben sich dadurch aber auch stärker als Konkurrenten und vor allem gleichgeschlechtliche Konstellationen bergen eine Menge Konfliktpotenzial.

Jungen tragen ihren Neid auf den Bruder dabei offener aus, während Mädchen auf den ersten Blick besser zu harmonieren scheinen. Aber auch sie konkurrieren und können sich hitzige Zickereien liefern.

Gleichgeschlechtliche Kinder, die altermässig nur gering auseinanderliegen üben andererseits auch eine grössere Vorbildfunktion aufeinander aus. Das jüngere Kind eifert eher dem älteren Geschwister nach, als den erwachsenen Bezugspersonen.

Die Konstellation aus gemischtgeschlechtlichen Geschwistern läuft harmonischer, weil die gegenteiligen Geschlechterrollen mehr Raum zur Abgrenzung bieten.

Allerdings ist die grosse Schwester dem kleinen Bruder spätestens in der Pubertät körperlich unterlegen und er wird die bisherige Rollenverteilung infrage stellen. Das könnte weiteren Zündstoff für Konflikte bieten.

Andersherum (grosser Bruder, kleine Schwester und etwa drei bis vier Jahre Altersunterschied) bildet sich das innigste Geschwisterverhältnis aus. Der grosse Bruder wird seine typisch männlichen Eigenschaften als Beschützer ausleben und die kleine Schwester zu ihm aufsehen. Ob das bei uns so eintritt, ist noch abzuwarten, aber bisher ist es eine ganze normale „Geschwisterliebe“

 

Warum Geschwisterkinder eine eigene Nische benötigen

Der Biologie lässt sich nur schwer in die Karten pfuschen, daher müssen Eltern auch mit weniger günstigen Konstellationen zu einem harmonischen Familienleben finden. Wieso muss das ältere Kind immer unter der Geburt eines Babys leiden? Mein wichtigster Tipp der Hebamme war, dass nach der Geburt der kleinen Kaiserin vor allem Junior im Fokus steht und gar nicht das Baby.

Später sollte jedes Kind in seinen spezifischen Interessen und Talenten beachtet und gefördert werden. So finden Geschwister leichter in eine eigene Rolle und müssen sich weniger abgrenzen geschweige denn konkurrieren.

 

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