Nach der Frankfurter Buchmesse ist vor dem Lesen – oder sogar auch nach dem Lesen? So oder so, ist die Frankfurter Buchmesse schon wieder eine gefühlte Ewigkeit her und alle schönen neuen Bücher, die ich dort sehen durfte, kommen peu à peu auch hier auf den Blog. Mittlerweile steht auch schon bald die BuchBasel an und da wird es noch mehr Input geben.
Bevor es jedoch so weit ist, habe ich die Zeit genutzt und ein paar Bücher rezensiert, die teilweise kürzlich, teilweise aber auch schon vor längerer Zeit ausgelesen wurden.
Viel Spass beim Stöbern.
Die Briefeschreiberin*
Ein Buch, das sich als erstes etwas gewöhnungsbedürftig liest. Denn in Virginia Evans Debütroman „Die Briefeschreiberin“ werden lediglich Briefe wiedergegeben, die Sybil van Antwerp mit Füller auf Papier geschrieben hat. Zwischendurch erscheinen auch Nachrichten, die der Email geschrieben wurden – dafür wird ein anderer Font genutzt.
Auf den ersten Seiten war ich sehr gefesselt, von der Geschichte, die Sybil erlebt hat: ihre Lebensgeschichte, die sie durch ihre Briefe immer nur stückchenweise aufleben lässt. Manchmal war ich auch zu ungeduldig zu warten, bis die Signatur kommt, um zu wissen, wer den Brief den nun geschrieben hat. Denn auch die Briefe, die Sybil erhält sind teilweise enthalten. Dieses hin- und herspringen zwischen den Personen – oft sind die Briefe länger als zwei Seiten – hat es nicht immer flüssig gemacht, das Buch zu lesen.
Die vielen kleinen Geschichten, die Sybil erzählt und was man als Leserin über das Leben der über 70-jährigen erfährt ist teilweise sehr rührend, teilweise auch einfach sehr normal. Manche Seite habe ich nur überflogen, da es mich nicht mehr gefesselt hat.
Der Erzählstil ist sicher besonders, jedoch ist es für mich eher ein Buch, das man auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn liest – peu à peu und in Abschnitten.
Treue*
Ein Buch, das nicht von Anfang an auf meiner Leseliste stand, und sich dann doch einen Platz hier ergattern konnte. Bereits im Juli hatte ich dieses Buch ausgelesen und ich muss zugeben, dass ich anfangs einige Male abbrechen wollte, da der Schreibstil – da mag auch an der Übersetzung liegen – mir nicht zugesagt hatte.
Als für mich war es so, dass ich knapp 100 Seiten im Buch brauchte, um richtig rein zu kommen. Oft paraphrasiert das Buch und umschreibt eher grob und wie eine kurze Mitteilung die Geschehnisse. Es fehlt das Gefühl und auch der wirkliche Bezug zu den Charakteren.
Doch dann entfaltet sich die Geschichte, über das große Ganze und vor allem die Macht des Geldes. Die Fäden finden zusammen und das Spiel mit dem Geld wird als schlaues Intermezzo enttarnt.
Yesteryear*
Ja, auch ich kenne die Tradwives und ihr Auftreten in den sozialen Medien. Es ist ein Trend, der nicht erst seit diesem Jahr bekannt ist. Bereits vor mehr als fünf Jahren begann auch die Welle der alten und kultivierten Welt auf Social Media mehr Raum einzunehmen. Gekommen ist der Trend aus den USA – gefeiert wird er überall.
Mit dem Buch Yesteryear schauen wir ein wenig hinter die Kulissen. Doch was für Kulissen sind das? Die Kulissen der Frauen, die sich einfach in unserer Welt zurechtfinden wollen? Oder wahrlich die Kulissen hinter all dem Erfolg, den man bei absoluter Hingabe (und Preisgabe) in den sozialen Medien erreichen kann?
Abschließend kann ich nur schreiben: ein toller Twist und ein großes Nachdenken bleiben bei mir zurück.
Mord im Grand Alpine Hotel*
Hier tritt Lucy Foley in sehr große Fussstapfen. Klar, wer kennt Agatha Christie nicht und hat sofort Erwartungen zur Handlung und zum Schreibstil?
Mit dem Buch „Mord im Grand Alpine Hotel“ kommt wieder Miss Marple in Spiel. Ach ja, da werden auch bei mir Erinnerungen wach. Denn meine erste Bücher waren ganz klar auch von Agatha Christie – und Miss Marple war mein Favorit.
Die Geschichte spielt in der schönen Schweiz, zu der ich einen persönlichen Bezug habe. Das Wetter hat bei uns zwar Ende September noch nicht mitgespielt, jedoch konnte ich mich gut in die Geschichte im Schneetreiben hineinversetzen.
Erzählt wird immer aus Sichtweise der unterschiedlichen Charaktere. Anfangs gibt es einen Mord und doch ist nicht klar, wer das Opfer ist. Nachdem relativ eindeutig eine Person als ziemlich unbeliebt dasteht, kommt die Geschichte so richtig ins rollen.
Doch wer ist Täterperson? Dieses Rätsel gilt es bis zum Schluss auszuhalten. Die Wendungen sind sanft und dennoch überraschen genug, um das Buch als einen tollen Schmöker weiterzuempfehlen.
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