Schwangerschaft in der Schweiz

Meine erste Geburt war anstrengend und wirklich auslaugend. Ja, es war eine richtig schwere Geburt…das sagen zumindest Hebammen. Das haben meine Hebammen damals gesagt. Aber nun erst mal von Anfang an.

Mein erstes Kind habe ich in der Schweiz bekommen. Insgesamt fünf Jahren waren wir in der schönen Schweiz. Bern war eine tolle Erfahrung – es ist die Stadt in der wir in unsere erste gemeinsame Wohnung gezogen sind. Und in der wir unser erstes gemeinsames Kind bekommen haben – also ein ganz besonderer Ort.

In Bern war ich somit zum ersten Mal schwanger und möchte heute mal ein wenig erzählen, wie es dort war. Mein zweites Kind – eine süße Tochter – ist nun bereits seit Ende Februar 2017 auf der Welt und da sie in Deutschland geboren wurde und ich auch hier schwanger war, sind mir doch einige Unterschiede aufgefallen. In der Schwangerschaft sowieso, aber auch in der Schwangerschaftsbetreuung.

 

Wenn die Waage spinnt – Gewicht in der Schwangerschaft

Meine Frauenärztin in der Schweiz hat immer sehr darauf geachtet wie viel ich zunehme. Da ich jedoch Wassereinlagerungen in den Beinen hatte, ging es bei mir schon ab Woche 17 stark aufwärts mit dem Gewicht. Ich hatte bereits 12kg zugenommen. Von der Frauenärztin bekam ich nur den Hinweis, dass das deutlich zu viel sei.

Auch bei meinen schwangeren Freundinnen in Bern wurde immer vom Arzt darauf hingewiesen, dass sie nicht zu viel zunehmen sollten. Na, ich sag mal so – beim ersten Kind und somit auch in der ersten Schwangerschaft sind solche und ähnliche Kommentare immer absolut grandios. Denn sie machen nichts weiter als die betroffene Schwangere oder auch Mutter zu verunsichern. Bravo, kann ich da nur sagen.

Ja, ich verstehe auch die Ängste und Befürchtungen der Ärzte: Übergewicht und große Gewichtszunahmen sind in der Schwangerschaft anstrengend. Nicht nur für die Schwangere, denn sie muss das zusätzliche Gewicht tragen, sondern auch für den ungeborenen Säugling, denn vom veränderten Stoffwechsel ist auch die Versorgung des Kindes betroffen.

Für mich aber mal wieder einer der Gründe, die ich unnötig kommuniziert finde. Wer mich privat kennt, weiß, dass ich immer zu meinem Gewicht stehe und generell nie damit hadere ob ich nun rund oder nicht bin. Denn mein Körper ist doch grandios – das sollte sich jede Frau einfach nur mal bewusst machen. Ich weiß es für mich selbst erst recht.

 

Vorsorgen oder vor Sorgen?

Während der Schwangerschaft mit meinem Sohn war ich in der Schweiz lediglich alle vier Wochen beim Arzt. Am Ende der Schwangerschaft kam ich zweiwöchentlich und hatte die meisten Untersuchungen dann im Spital (Schweizerdeutsch für Krankenhaus). Denn ab der 36. Woche habe ich eine Akupunktur machen lassen. Die geburtsvorbereitende Akupunktur hatte ich dann somit zusammen mit der Schwangerschaftsuntersuchung.

Auch wenn meine Mama immer der Meinung war, dass ich doch öfter eine Vorsorge haben sollte, fand ich es richtig. Bei meiner zweiten Schwangerschaft – und die muss ich hier mal zu Rate ziehen, um einen Vergleich anzustellen – weiß ich, dass mich die zweiwöchentlichen Untersuchungen mit CTG einfach nur unnötig verunsichert haben. Was genau kann denn der Arzt oder die Ärztin sehen? Nee, hören? Ich persönlich fand es extrem anstrengend. Mein CTG hat jedes Mal länger als eine Stunde gedauert. Das war beim ersten Kind auch schon so und da hatte ich zum Glück nur zweimal CTG. Und ja, ich habe zwei gesunde Kinder bekommen. Aber ich hatte immer sehr aktive Säuglinge im Bauch. Beide Babies haben immer so stark gestrampelt, dass die Arzthelferin immer beim CTG mit dabei sein musste, um die Sonde entsprechend der Kindsbewegungen zu verschieben.

Nun stelle ich mir die Frage, ob diese häufigen Untersuchungen wirklich notwendig sind, denn auch die Schweiz ist ein westliches Land und dort werden auch gesunde Kinder geboren.

 

Alles in einem – Betreuung für Schwangere

Was mir besonders in der Schweiz gefallen hat, war, dass meine Gynäkologin alle Untersuchungen mitgemacht hat. Ich leide an einer Stoffwechselerkrankung – einer Schilddrüsenunterfunktion, die bei mir mit 16 festgestellt wurde. In der Schwangerschaft ändern sich die Werte aufgrund des veränderten Hormonhaushalts.

Die Werte müssen also mittels Blutentnahme regelmäßig überprüft werden. Das hat alles meine Ärztin gemacht. Während meiner wöchentlichen Akupunktur ab der 36. Schwangerschaftswoche hat das dann auch einfach die Hebamme im Spital mit gemacht und die Werte wurden entsprechend an meine Gynäkologin weitergeleitet. Vielleicht lag es auch an meiner Ärztin in Bern oder eben an der Schweiz, aber ich finde es wird wirklich zu viel Tohuwabohu in Deutschland gemacht. Überweisung hier, jedes Quartal neu, bei einigen Ärzten braucht man keine Überweisung, private Rezepte, Termine gefühlt erst im nächsten Jahr verfügbar – all das finde ich in Deutschland sehr lahm. Ja, auch arschig – lahmarschig. Ist es das System? Wahrscheinlich schon, aber darauf möchte ich ja jetzt hier nicht eingehen. In der Schweiz jedenfalls gibt es diese hin- und herüberweise auf jeden Fall nicht. Und das finde ich unheimlich gut und praktisch. Wobei es in der Schweiz eigentlich kein Problem wäre, die Distanzen sind oft so gering – vor allem, in den Städten. Denn auch Bern ist eine süße kleine Stadt. Aber ich drifte schon wieder ab.

 

Geburtstermin und übertragenes Kind

Mein Sohn war knapp zwei Woche länger drin. Irgendwann musste ich also täglich ins Spital und schauen. Und dann kam der Tag der Tage: mein Besuch beim Frauenarzt in dem ich erfuhr, dass eingeleitet wird. Ja, eine Einleitung ist nichts schlimmes, aber bei einem ersten Kind ist alles anders, neu, wird ewig mit Familie, Freundinnen und dem Partner diskutiert und letztendlich kommt doch einfach nur ein Baby auf die Welt.

Da ich – wie bereits erwähnt – einfach ein sehr hohes Gewicht hatte und mit knapp 23 Kilo über dem Vorschwangerschaftsgewicht lag, war auch meine Frauenärztin der Meinung, dass eine Einleitung gut wäre. Ich hatte zudem auch noch unendlich viel Wasser in der Fruchtblase. Im Nachhinein sagen mein Mann und ich immer „meine Gebärmutter hatte halt die Aufgabe bekommen ein Fruchtblase zu bauen und ein Baby zu versorgen – die Aufgabe war nicht damit aufzuhören“. Denn meine Plazenta war noch tip top sauber und ich hatte noch knapp fünf Liter Fruchtwasser in mir. Später meinte die Ärztin auch, dass es sicherlich kein schlechtes Zeichen sei, da die Plazenta einfach super funktioniert hat. Doch wie das so ist, vorher weiß man nicht immer alles so gut. Und es wurde auch angenommen, dass ich noch eine Schwangerschaftsdiabetes entwickelt hatte. Aber nix da, alles war gut – ich sah einfach aus, als ob ich Zwillinge bekommen würde und war kugelrund.

Da meine Frauenärztin auch bei der Entbindung dabei war, war ich recht entspannt, denn ich mochte sie sehr.

 

Nachts ins Spital – Geburt im Krankenhaus

So habe ich eben noch oben beschrieben, wie mir das Gesundheitssystem in der Schweiz gefällt, so muss ich hier gleich sagen, was echt blöd war. Bei einer Einleitung muss man nämlich um Mitternacht ins Spital kommen damit der komplette Tag genutzt werden kann und so bei der Krankenkasse abgerechnet werden kann. Dies ging nicht nur mir so, sondern auch anderen Frauen aus meinem Geburtsvorbereitungskurs.

Also erstes Kind und dann noch nachts ins Spital, dreimal dürft ihr raten wie lange ich vorher geschlafen habe oder ob überhaupt…

Wir sind dann also am Samstag noch endlos spazieren gewesen und haben den Tag sehr früh angefangen – für uns ist sieben Uhr damals früh gewesen. Wir wollten abends früh ins Bett. Aber kaum lag ich um 19 Uhr im Bett ging es los: bald habe ich dieses Baby in den Armen – mein kleines Powerfüsschen (so nannten wir das Baby immer) und wie wird es dann sein?

Ich schreibe hier immer von „Baby“, denn mein Mann und ich haben uns – wie auch bei meiner zweiten Schwangerschaft – vom Geschlecht überraschen lassen wollen. Sagt man das so? Auf jeden Fall wollten wir nicht wissen, ob es ein Junge oder ein Mädchen sei, denn das gibt mir und uns irgendwie nichts. Ich nehme jedes Kind, das in mir herangewachsen ist, wie es kommt. Egal ob Junge oder Mädchen. Wir waren bereits zu lieben, komme was wolle, denn auch die ganzen Prenatalscreenings haben wir nicht machen lassen. Wir wollten lieben. Und liebten das Baby schon von Anfang an im Bauch.

Aber zurück zum Text, ich glaube ich habe dann knapp zwei Stunden oder so geschlafen und bin dann ins Spital gefahren. Natürlich mit Mann. Es fing an zu schütten. Wie verrückt – Mitte Mai. Und ähnlich wild wie das Wetter an diesem Muttertag, denn der 11. Mai 2014 war der Muttertag – war auch meine Geburt, aber das könnt ihr bei Interesse auf meinem Blog einfach nachlesen.

Die Betreuung mit einer Hebamme hatte ich nie in Erwägung gezogen, denn ich hatte schon vorher immer gesagt, dass mir die arme Frau leidtun würde, denn niemand weiß ja wie lang eine Geburt geht. Bei mir war es dann auch gut so, denn ich kam ja nachts rein ins Spital und Junior wurde erst 22:29 Uhr geboren. Somit habe ich drei Schichten Hebammen mitgemacht und war froh, dass immer wieder eine frische Hebamme kam, die mich motivieren konnte.

Mir hat bei der Geburt in der Schweiz unheimlich gut gefallen, dass meine Frauenärztin das Baby rausgeholt hat und dass wirklich viele Homöopathische Mittel eingesetzt wurden, um die Geburt voranzutreiben oder zu entspannen. Klar, PDA und alles andere gab es auch, es ist ja auch ein Spital. Doch das ist etwas, was mir bis heute wirklich positiv in Erinnerung geblieben ist: die Schweizer machen viel mit Homöopathie. Was man hier in Deutschland oft als „besonders“ oder „merkwürdig“ ansieht ist dort Normalität und jeder Apotheker ist gut ausgebildet einem Infos darüber zu geben.

Ich werde meine erste Geburt immer in besonderer Erinnerung behalten. Nicht nur, weil es meine erste Geburt war, sondern weil sie auch so komplett anders war als meine zweite. Ja, ich habe ja auch zwei Kinder geboren und da ist es auch logisch, dass nicht nur die Kinder anders sind, sondern auch die Geburten. Und das will man ja als Mama auch – zumindest bin ich so eine Mama – ich will keine zwei identischen Kinder, bei denen alles gleich läuft. Ich will zwei Individuen, die nun mal zufällig beide bei uns wohnen.

 

Kanntest Du die Unterschiede aus der Schweiz?

 

Mehr zum Thema Mama, Baby und auch Kleinkind findest Du immer am Montag hier auf dem Blog – einfach dem Hashtag folgen:

#MommyMonday

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