Japan mit Kindern: Takayama

Nach knapp zwei Stunden Autofahrt sind wir angekommen in Takayama und befinden uns nun auf der anderen Seite der Gebirgskette, die wir vom Matsumoto Castle noch bewundern konnten.

Als wir in Takayama ankamen, war ich ziemlich platt, denn die Fahrt über die Bergkette war zwar schön anzusehen, aber irgendwie auch echt anstrengend. Das Hotel, das uns Oli herausgesucht hatte, sollte wieder ein total typisches sein. Typisch japanisch. Ich liebe es seit Shimoda auf dem Boden zu schlafen und hatte mich so sehr gefreut wieder in ein tolles Hotel zu kommen, das wirklich sehr authentisch ist.

Doch als wir zum Hotel kamen, war ich geplättet. Bereits auf der Fahrt hatte mir Oli vorlesen, was das Hotel von sich selbst sagt. Ich erinnerte mich noch an den Satz „von japanischen Omas zubereitetes Essen“ und wusste nicht, ob ich das gut oder grandios finden sollte. Und ehrlich gesagt konnte ich mir das auch alles gar nicht so richtig vorstellen.

Oyado Yamakyu Takyama Japan TravelTuesday BineLovesLife

Oyado Yamakyu

Ein Hotel, das bei TripAdvisor andauernd die beste Bewertung erhält und dennoch über keine Buchungsplattform buchbar ist? Das machte mich sehr stutzig. Wer meinen Hintergrund kennt, weiß, dass ich auch in der Hotellerie Fuss fassen konnte und als Teil meines Studiums den Schwerpunkt „Hospitality Management“ hatte. Ich möchte mich nicht als Profi hinstellen, denke aber, dass ich einen guten Einblick habe und kann mich stark mit der Hotellerie und der Gastlichkeit generell identifizieren.

Das Oyado Yamakyu ist ein Familienbetrieb, der auf der höchsten Ebene arbeitet. Ein uriges, authentisches und wirklich herzerwärmendes Hotel. Gewachsen aus Leidenschaft zur Gastlichkeit und dem Wunsch lokal immer noch am stärksten zu agieren. Alle Mitarbeiter im Hotel sind aus Takayama und haben hier ihre Wurzeln. Es gibt keine Altersbegrenzung der Angestellten und das Schöne ist auch, dass man als Gast das Gefühl hat bei jemanden zu Hause zu sein. Und ist das nicht auch die Essenz der Gastlichkeit – wie alles auch mit den Hotels anfing? Man möchte sein zu Hause für jemanden öffnen und die eigene Kultur vermitteln. Auf große Hotels können dies – doch es ist nicht leicht.

Der Check-In war sofort erledigt und wie konnten aufs Zimmer, das sehr geräumig und wirklich schön war. Die Toilette war auf dem Zimmer und die Dusche musste man sich teilen. Es gab dazu einen Schlüssel, damit man sich in Ruhe duschen kann. Ich glaube, dass dies für viele Leser, die eventuell aus Deutschland oder ähnlichen Ländern kommen, kaum vorstellbar ist. Jedoch muss ich erwähnen, dass es immer noch Japan ist. So eine öffentliche oder gemeinsame Dusche wie in Japan wird es bei uns in Deutschland nie geben können. Der Respekt des Einzelnen vor der Gemeinschaft ist in Japan sehr hoch. Das hat auch etwas mit Würde, Anstand und mit dem „Gesicht wahren“ zu tun.

Da Oli und die Kinder noch ein wenig durch die Straßen ziehen wollten und einen Spielplatz suchen wollten, hatte ich ein wenig Zeit für mich. Etwas, das ich bereits ein bisschen ersehnt hatte: Zeit im Onsen. Das Hotel verfügt über zwei separate Onsen – für Mann und Frau. Also war klar, was ich machte. Ich finde immer noch, wenn man so etwas alleine erlebt ist es viel intensiver und völlig anders, als wenn man schon zu zweit oder gar als Familie Reiseerfahrungen macht.

Der Onsen war neue für mich und ich musste mich richtig an die Bedienungsanleitung halten. Doch mit Bedienungsanleitungen bin ich ja in Japan genau richtig: für alles gibt es eine Erklärung, Anleitung oder gar Vorlage. Ich liebe sowas und finde auch, dass wir sowas mal bei uns einführen sollten. Es macht das Leben viel einfacher.

Im Bad (Onsen bedeutet so viel wie Bad) war ich quasi alleine und konnte die Auszeit und das Waschen geniessen. Das Ritual des Waschens ist eine schöne und besondere Zeit, die vielleicht auch Saunagänger verstehen können.

Ich war auf jeden Fall nach dem Besuch im Bad sowas von entspannt und bin quasi wieder ins Zimmer zurückgeflogen.

Abendessen Oyado Yamakyu Takayama BineLovesLife

Abendessen oder auch: mir bleibt die Spucke weg

Japanisch zu essen ist nicht nur Sushi und Sashimi. Diese Vorurteile regen mich schon richtig auf. Auch Nudeln, Reis und Suppen sind genau wie Sushi und Sashimi nur ein Teil der japanischen Küche, die sehr vielfältig und vor allem mit viel Gemüse arbeitet.

Das Essen fing so an: wir sind also mit den Kindern runter zum Essen in den Speisesaal – selbstverständlich sitzt man da auf dem Boden und für die Kinder gibt es kleine Stühle, wenn sie nicht auf dem Boden sitzen möchten oder können. Da unsere Kinder normale Kinder sind und auch mal aufdrehen, war uns das etwas unangenehm, denn der Speisesaal war noch recht leer und die Atmosphäre eher entspannend. Doch wie das so ist in Japan – ich hatte dazu ja schonmal meine Theorie erklärt – beschwert sich keiner über Kinder. Meine Theorie ist ja übrigens, dass Japaner gar nicht so kinderfreundlich sind, sondern es einfach dulden, wenn Kinder „laut“ sind. Laut in Anführungszeichen, denn japanische Kinder sind auch nicht so laut wie unsere.

Es folgte nach einem Teekännchen gefüllt zehn Kilo an Geschirr. Etliche kleine Schüsselchen, Schälchen, Tellereben, Recherchen und Schalen gefüllt mit kleinen Essensportionen, die eher malerisch aussahen, als das ich erkannt hätte, dass man das essen kann. Es war traumhaft und ich glaube für das eine Foto, auf dem ich noch mit dem Essen „posiere“ hat es nich so gereicht, denn danach war das Büffet eröffnet. Die Kinder fragten dauernd, was das ist und wir aßen einfach. Für Junior und die kleine Kaiserin gab es einen Kinderteller mit Reis und Früchten und Gemüse. Doch unsere Kinder – wie alle anderen Kinder ja auch – lieben es auch bei uns mitzuessen und wir konnten selbst kaum erklären, was das Essen genau war, aber es war sau lecker. Schon beim Schreiben dieses Textes läuft mir wieder das Wasser im Mund zusammen. Fein und besonders, ausgewählt und absolut nicht einordenbar. Das Essen war ein Fest. Anders als ich es von europäischen Restaurants kenne, waren wir danach nicht pappsatt, sondern satt. Gefüllt mit Geschmack, der noch bis heute reicht. Geschmäcker, die mein Gaumen so noch nie vernommen hat. Ein wahres Gedicht!

Schlafen wie ein Japaner

Die Nacht war etwas rau, denn neben unserem Zimmer war anscheinend eine etwas jüngere Reisegruppen, die eben auch noch spät nachts schlafen geht oder eben lange wach ist. Da das Hotel sehr authentisch gebaut war und wirklich über die Zeit gewachsen ist, waren die Wände eben noch etwas dünner und somit alles auch etwas hellhöriger.

Doch als Eltern ist man es ja gewohnt, wenn man wenig schläft oder dauern aufgeweckt wird. Das Schlafen auf dem Boden war wieder toll und fühlten uns klasse für diesen Tag, denn heute wollten wir noch ein wenig den Tempelweg entlang gehen. Das Oyado Yamakyu liegt am östlichen Rand von Takayama und somit direkt am Tempelweg. Wir genossen unser Frühstück noch in Ruhe bevor wir den Tempelweg beschritten.

Tempel, Shrine und ganz viel Ruhe

Die Wanderung – oder soll ich lieber schreiben der Spaziergang – begann gleich mit ein bisschen Treppensteigen. Und am besten war, dass wir natürlich mit der Krücke (so nenne ich das, was alle Buggy nennen) unterwegs waren. Also Treppen rauf und auf etliche Tempel schauen. Alles war sehr ruhig und verlassen.

Und auch wenn ich sonst keine Mama bin, die andauernd ihren Kindern sagt, dass sie doch mal bitte leise sein sollen, so war ich hier überrascht wie die Kids von alleine ruhig waren. Ich glaube, dass sie die Ruhe und die Erhabenheit dieser besondere Atmosphäre und der Gebäude gespürt haben. Ja, das hört sich jetzt etwas spirituell an, aber Kinder sind ja auch nur Menschen, die Schwingungen spüren.

Da wir alleine waren, war es noch schöner. Irgendwann trafen wir auch mal auf ein paar andere Touristen, aber es verlief sich alles schnell wieder, denn der Tempel-Weg war eine sehr große Strecke. Insgesamt konnte man knapp drei Kilometer durch – oder eher rings um – Takayama auf dem Weg bleiben und etliche Tempel sehen. Die schönsten Tempel sollen angeblich die gewesen sein, die gleich bei uns oben am Hotel waren. Also hatten wir alles richtig gemacht – so zumindest der Hinweis der Rezeptionistin.

Bevor wir wieder Richtung Hotel liefen, denn wir wollten noch weiter nach Kanazawa, fanden wir noch einen kleinen Spielplatz auf dem die Kinder sich austoben konnten.

Fazit: Wir müssen nochmal wiederkommen. Takayama ist definitiv immer eine Reise wert.

Details zu unserer Reise

Gefahrene Kilometer: 83 – hat also knapp zwei Stunden gedauert

Oyado Yamakyu: 58 Tenshōjimachi, Takayama, Gifu 506-0832, Japan

Tempel oberhalb vom Hotel: (dies ist nur eine kleine Auswahl der Tempel, denn wir haben nicht alle sehen können – man brauch eben immer einen Grund, um zu zurückzukehren)

177 Sōyūjimachi, Takayama, Gifu 506-0834, Japan

83 Tenshōjimachi, Takayama, Gifu 506-0832, Japan

39 Tenshōjimachi, Takayama, Gifu 506-0832, Japan

Was ist der Unterschied zwischen einem Tempel und einem Srine?

#TRAVELTUESDAY

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ulrike Hecker sagt:

    In Takayama war ich schon 1991. Damals habe ich in der Jugendherberge geschlafen, die in einem alten Tempel untergebracht war. Mir hat Takayama mit seinen vielen alten Häusern sehr gefallen. Einmal habe ich mir ein sauteures lokales Spezialitätenessen gegönnt. Irgendwas mit Kräutern, weiß ich noch. Saulecker!
    Nach deinem Bericht könnte ich sofort wieder hin!
    Liebe Grüße
    Ulrike

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Ulrike, Ich glaube, ich weiß sogar welche Jugendherberge Du meinst – die ist unweit vom Oyado Yamakyu. Da sind wir auch vorbeigelaufen und ich war wirklich überrascht, dass an so einem schönen – und auch ruhigen – Ort eine Jugendherberge ist.
      Gegessen haben wir immer im Hotel – das war klasse. Und ja, Du sagst es: Takayama ist immer eine Reise wert!

      Gefällt mir

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