Die Ausnahme

oder: wann Regeln für Kinder wirklich wichtig sind…

Denn jeder lebt Regeln, egal welchen Erziehungsstil man verfolgt. Jede „Nicht-Regel“, jede „Nicht-Erziehung“ ist auch eine Regel. Beinhaltet auch einen Teil, der schon wieder zum Ritual, zum Ablauf und damit auch zur Regel gehört.

Natürlich gibt es Regeln. Regeln entstehen unumgänglich im sozialen Zusammenleben, sobald wir uns nicht als Einsiedler durch die Welt schlagen wollen. Man denke nur an Regeln im Straßenverkehr. Spielregeln. Wenn mein Kind eines Tages in einen Verein gehen will, dann wird es dort Regeln geben, die das Miteinander gewährleisten. Genauso an der Schule. Natürlich stellen wir uns hinten an beim Einkaufen und auch auf dem Spielplatz. Regeln existieren. Und denen kann und will ich mich gar nicht mit meinem Kind widersetzen.

Regeln gibt es natürlich

Ich lebe diese Regeln vor und erkläre sie, wenn sie hinterfragt werden. Erklärungen finde ich generell sehr wichtig und vor allem für Kinder auch immer an Nummer eins. Erklären heißt für mich auch Zuhören, Verstehen und Hinterfragen in einem.

Welche Regeln sind wichtig und wieso brauchen wir Regeln? All das sind Fragen, die ich mir neu und vor allem unbewusst gestellt habe, seit dem ich Mama geworden bin. Ein Zusammenleben ist auch dann sinnvoll, wenn das Miteinander wortlos passiert. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass ich mich mit meiner Familie auch wortlos verstehe. Das kommt natürlich auch mit der Zeit und einfach auch, weil wir wissen, wie wir ticken. Denn wir lernen uns ja jeden Tag mehr und mehr kennen. Und doch gibt es auch viele Momente, die wir voneinander noch nicht kennen und die uns auch regelmäßig auf die Probe stellen. Kommunikation ist da für mich genauso wichtig wie Regeln. Und Kommunikation umfasst – genau wie Regeln – auch eine unausgesprochene Realität. Wir wissen, was der andere allenfalls möchte oder können dies antizipieren und somit auch schon Probleme vorab erkennen und bestenfalls beheben. Nicht immer, aber sicherlich regelmäßig. Zusammenleben braucht auch Regeln, damit wir nicht alle wilde Sau spielen.

10 Regeln für Familien FamilyFriday BineLovesLife

Regel für das Zusammenleben

Nun ist es also auch bei mir so, dass ich die Situation im Kindergarten von Junior oft nur am Rande mitbekomme und dennoch weiß ich auch, dass manches, was dort geschieht eigentlich nicht nach meinen Regeln geht. Das kennst Du sicher auch, oder? Man gibt sein Kind ja – bereits mit dem ersten Mal, wo es außerhalb von zu Hause und ohne Mama und Papa, betreut wird – auch in eine neue Regelwelt hinein.

Etliche Eltern halten deshalb die Idee des Kindergartens oder auch der Krippe, der Tagesmutter, etc. einfach nicht als ideal für ihr Kind, denn es muss sich an Regeln halten, die die Eltern nicht vertreten können.

Bei unserer ersten Erfahrung mit der „Fremdbetreuung“ ließen mich die Erzieherinnen wissen, dass wir zusammen arbeiten müssen. Ja, müssen – also ich muss den Erziehern auch sagen, was wir zu Hause machen und wie wir dies tun. Und andersrum würde das auch für mich so funktionieren.

Denn sind wir mal ehrlich früher oder später müssen sich alle fügen. Ja, es gibt sicher Ausnahmen, denn manche wollen raus aus dem System, aber für die Masse trifft das nicht zu.

Ich glaube auch, dass in manchen Kindergärten oder nennen wir es Betreuungsorte Regeln und Vorschriften herrschen, die einige Kinder noch nicht kennen und dann einfach überfordert sind. Für unseren Fall ist es jedoch anders. Ich formuliere es mal vorsichtig: ein perfektes Chaos war es sicherlich für die ersten Monate. Chaos auch deshalb, weil die Pädagogen oft abwesend waren und so ein Fluktuation stattgefunden hat, die wirklich nicht mehr tragbar war. Jeder, der Kinder hat, weiß, dass die Kinder diese Unruhe und das Chaos spüren und das natürlich auch ausnutzen. Gar nicht mal böswillig, sondern einfach, weil es ja keine Regeln gibt. Die Regeln und auch die Rollenverteilung wird dann hinterfragt. Bei Kindern meist durch Verhalten – Verhaltensweisen, die dann auch zu Hause wieder ans Tageslicht kommen.

Diese Unruhe spürten wir also ganz deutlich und waren uns aber auch einig, dass nicht nur dem Kindergarten die Schuld zu geben ist, sondern auch wir zu Hause wieder strikter anpacken müssen. Denn Bambule ist mir doch zu viel des Guten – vor allem, da wir auch zu viert sind.

Dem Chaos Herr werden

Ach, was schreibe ich? Dem Chaos Frau werden muss sicher auch gesagt sein. Denn das Chaos, was aktuell bei uns zu Hause herrscht ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass ich verunsichert war…verunsichert wegen dem Kindergarten, dem Konzept (ein so großes Wort für einen Kindergarten, aber ich möchte es dennoch nutzen), den Erziehern und eigentlich auch der Auswirkung auf Junior.

Haben wir die richtige Entscheidung getroffen und können wir unsere Regeln zurückbekommen? Können wir einen guten Rhythmus finden, der uns allen gut tut und mich nicht in den Wahnsinn treibt? Ja, ich schreibe bewusst Wahnsinn, denn die Situation im Kindergarten, die mittlerweile seit Mitte/Ende Oktober vorherrscht hat mich wahrlich verrückt gemacht. Ich brauchte eine Auszeit und wer aufmerksam bei Instagram war, hat gesehen, was diese Auszeit für mich war.

Ein wichtiger Aspekt ist seither für mich auch: Regeln müssen immer präsent und klar sein. Nicht starr und stur, sondern einfach nur da. Ich will hier auch keine Diskussion starten, wieso Regeln uns wichtig sind, sondern nur aufschreiben, wieso ich Regeln so wichtig finde. Sie geben Halt und haben uns in dieser Zeit auch geholfen mehr und mehr Normalität herzustellen.

Ein Beispiel um dies anschaulich zu machen: die einfachste und wahrlich fast unsichtbarste Regel ist, dass wir beim Betreten der Wohnung die Schuhe, Jacke, Schal, etc. ausziehen und Hände waschen gehen. Dies immer wieder zu betonen, habe ich irgendwann nicht mehr gemacht. Sicherlich, weil Junior dies schon verinnerlicht hatte. Als dann aber das Chaos ausbrach, merkte ich auch, dass er einfach nicht mehr wusste, was Sache war. Diese einfache und so simple Sache war für ihn quasi unmöglich auszuführen. Er hat nicht rebelliert oder sogar was komplett anderes gemacht – er hat einfach gar nichts gemacht.

Ich mach nichts gar nichts – ich mach nur irgendwas

Diesen wunderbar philosophischen Satz gab Junior vor knapp einem Jahr mal von sich und ich war begeistert. Denn tut man doch nie nichts, sondern eigentlich wirklich immer irgendwas. Und dieses irgendwas muss man nicht so oft betiteln, denn man tut es einfach. Das Schuhe-Ausziehen-Hände-Waschen Tun ist auch so ein „irgendwas“. Wir machen es einfach – auch ohne drüber zu reden. Doch dann merkte ich, wie gesagt, weil es so schwierig wurde im Kindergarten – dass dieser Task auch nicht ausgeführt wurde. Ich war baff und dachte erst, dies seit eine Art Trotzen oder Autonomie oder wie man das heute nennt, aber es war einfach nur Verlorenheit. Verlorenheit und fehlende Regeln. Denn Regeln geben auch Halt und Orientierung.

Ich fing also wieder an – regelmäßig beim Betreten der Wohnung – diese „Regel“ aufzusagen und wollte damit auch eine klare Abgrenzung vom Kindergarten zu unserem zu Hause schaffen. Ich bin sonst eigentlich gar kein Fan davon alles immer tausend Mal (oder gefühlt tausend Mal) zu wiederholen, weil ich auch glaube, das Kinder sehr gut lernen und verstehen und sich Dinge sowieso einfacher und schneller merken, wenn sie diese selbst ausführen dürfen ohne daran erinnert zu werden. Dennoch sind es immer noch Kinder. Und leider haben sie es manchmal auch schwer und können der Lage nicht Herr oder Frau werden. Und dazu sind wie Eltern auch da. Wir geben Halt und Orientierung anhand von unsere vorgelebten – und teils auch vorgesagten – Regeln.

Wie lebst Du Regeln zu Hause?

#FamilyFriday

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. kunterbunt79 sagt:

    bei uns gibt es natürlich auch Regeln, aber die fließen so ohne weiteres in de Tagesablauf mit ein…

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    1. Sehr schön, wenn es so locker läuft

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    1. Sehr spannend

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