Vorurteile: Kinder

Ein Thema, das mich oft beschäftigt – fast jeden Tag.

Als wir noch in der Schweiz lebten, gab es monatlich einen ElternBrief vom Staat an alle Eltern. Junior ist dort geboren, daher waren seine ersten 18 Lebensmonate vor allem von den Eidgenossen geprägt.

Ich erinnere mich noch, dass in einem Brief – eigentlich ganz beiläufig – erwähnt wurde, dass wir in der Schweiz, aber auch in Deutschland, in einem nicht kinderfreundlichen Land leben. Das machte mich stutzig und irgendwie stimmte es auch. Die kleinen Details machen doch den Tag aus, oder?

Wie oft wird einer Mama mit Kinderwagen wirklich geholfen? Wenn das Kind schreit und Dinge herunterwirft – wie schauen die Leute dann? Wobei mir das eigentlich egal ist, ob dann jemand schaut. Besser daher: was sagen die Leute dann. Wie oft werde ich gelobt. Ja, gelobt: „das haben Sie gut gemacht ihr Sohn/ihre Tochter sind ja so brav“. Und wieso werde ich dafür gelobt? Kennt man Kinder nur schreiend?

 

Hast Du Vorurteile?

Die letzten Tage war ich wieder viel zu lange wach, habe diese Sender geschaut, die dann abends Berichte und Reportagen, Talkshows und Debatten übertragen. Über das Thema Rechtsradikale. Wie ich das sehe? Ich finde es komisch, wie ein Mensch so werden kann. Nicht komisch im Sinne von lustig, sondern merkwürdig. Ja, irgendwie zum merken würdig. Denn auch ich komme aus Berlin und der Stadtteil in dem meine Eltern wohnen wird in Reiseführern in Südafrika sogar als gefährlich eingestuft, denn dort leben Nazis.

Echt? Naja, so ist das eben. Ich kenne meine alte Umgebung und so weiß ich auch, dass mein Gymnasium zum Beispiel geschlossen hat, weil es nicht mehr genügend Schüler bei uns im Bezirk gab. Hierzu muss ich noch anfügen, dass wir sechs Gymnasien in unserem Bezirk hatten – mehr als genug also.

Das Gymnasium ist nun ein Flüchtlingsheim. Und immer, wenn ich in Berlin bei meinen Eltern zu Besuch bin, kommen wir manchmal auch daran vorbei. Es ist schon komisch, dass es nicht mehr mein altes Gymnasium ist und nun Menschen darin wohnen. Aber nur komisch, weil es einfach kein Gymnasium mehr ist.

Natürlich gab es im Bezirk meiner Eltern auch viel Aufruhr über diese Flüchtlinge, die kamen. Sonst war es eher ruhig in diesem Bezirk und als Arbeiterstadt, die Berlin ja nun einmal ist – auch wenn sich dieses Image in einigen Stadtteilen wandelt – waren diese Masse an Ausländern wirklich neu. Ist das verwerflich? Hast Du Vorurteile, wenn Du so etwas liest und es Dir für Dein Nachbarschaft vorstellen würdest?

Ich weiß auch, dass ich das alles anders sehe, als die meisten Menschen, denn ich wohne nun in Offenbach. Offenbach ist die multikulturellste Stadt in ganz Deutschland. Im Kindergarten von Junior sind so viele Nationen zu finden, dass sogar ich mir als „wenig bereist“ vorkomme.

Und Kinder meistern das so toll: Junior hat einen Freund, der letztes Jahr – als der Kindergarten anfing – noch kein Deutsch sprechen konnte, nun spricht er es fließend. Die Eltern und ich verständigen uns immer noch mit Händen und Füßen, denn wir können die Sprache des anderen nicht. Da kommen die Kinder dann als „Übersetzer“ daher.

Das Leben mit Kindern hat mich persönlich noch offener gemacht, als ich es sowieso schon war. Alle ist möglich und braucht oft nur Zeit – so meine Devise.

Hast Du Vorurteile, was das Leben mit Kindern angeht?

Nun gibt es aber auch bei uns genügend Orte, die wir nicht mehr besuchen, weil ich es verwerflich finde, dass wir mit Kindern angefeindet werden. Wenn vor einem Eiscafé keine Kinder spielen dürfen, weil es zu laut ist, dann frage ich mich, wie der Besitzer seinen Umsatz kalkuliert? Kinder essen bewiesenermaßen deutlich mehr Eis als Erwachsene.

Menschen in Deutschland sind nicht kinderfreundlich. Sie sind sogar eher kinderfeindlich. Der neue Spielplatz im Quartier lässt meiner Meinung nach – ach nein, der Kinder Meinung nach – keine Wünsche offen. Erwachsene suchen schnell Fehler.

Den besten Fehler finde ich: es ist zu laut, weil die Kinder dort spielen.

Ich liebe diesen Hass und diese Unmenschlichkeit Kindern gegenüber. Ironie mal beiseite: was soll das? Wieso sollen Kinder immer süß, niedlich und brav sein? Ruhig und nicht schreiend oder weinend nicht zu vergessen.

Wenn mir dann Hundebesitzer erzählen, dass das Leben mit einem kleinen Hund vergleichbar mit dem Leben mit Kindern ist, dann muss ich laut lachen. No offense, denn wenn man keine Kinder hat, kann es den Anschein machen, dass ein Hundebaby und ein Menschenbaby ähnlich sind: sie brauchen wirk Fürsorge, Futter/Milch und sind noch eher unbeholfen. Es drückt für mich aber auch aus, wie man heutzutage ein Kind sieht: spurt es nicht, kann man die Leine ja fester ziehen, oder?

 

Hast Du Vorurteile, was das Thema Reisen mit Kindern angeht?

Auf meinem Blog zeige ich regelmäßig wie einfach und entspannt Reisen mit Kindern ist.  Es ist nicht immer alles ruhig und keiner weint, aber wieso auch nicht – mir gefällt manchmal auch nicht, dass im Zug keine Klimaanlage läuft und dann bin ich verstimmt. Kinder – vor allem Kleinkinder und Babys können das ja so noch nicht verbalisieren – sie schreien oder weinen. Weinen tut ja auch mal gut – es entspannt irgendwie auch. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Vor Kurzem wurde es in den Medien sehr breit getreten.

In Binz auf Rügen sucht ein Restaurant Besitzer Aufmerksamkeit auf die skurrile Art: im Restaurant „Oma’s Küche“ sind ausdrücklich keine Kinder erlaubt. Das Thema „No Kids“ ist vergleichbar mit der amerikanischen Restaurantinfo: „No Shirt, No Shoes, No Service!“. Diese sieht man oft bei Restaurants, die in Strandnähe sind, denn so soll vermieden werden, dass sich die Gäste in Badehose oder Bikini in das Restaurant einfinden.

Ob man ein Restaurant für oder ohne Kinder macht, sollte meiner Meinung nach jeder selbst wissen und ich persönlich finde die Idee nicht so merkwürdig. Es kann wirklich manchen Gästen auf den Senkel gehen, wenn Kinder im Restaurant sind. Ich störe mich auch an Rauchern und meide Restaurants mit Raucherbereich.

Der Inhaber des Familotels Borchard’s Rookhus sucht nun einen anderen Weg und bietet den Gästen alles, was Familien mit Kindern brauchen. Hier gilt also die Devise „No Singles“. Jeder, der ausschliesst, möchte sicherlich nur genauer auf seine Zielgruppe eingehen und ich finde das nicht verkehrt. So funktioniert Marketing nun mal auch, oder? Man adressiert eigentlich immer an seine Zielgruppe und manchmal eben doch etwas drastischer und medienwirksamer als andere.
Ich möchte mit diesem Blogpost die Diskussion über Kinder auf Reisen anstossen: „Kinder im Hotel – Notwendiges Übel oder Umsatzbringer?“, oder „Was sollten Eltern beim Urlaub mit Kindern beachten“. Ich freue mich, wenn Du mitdiskutieren magst und mir Deinen Kommentar und Deine Sicht der Dinge hinterlässt.

 

Hast Du Kinder oder hasst Du sie?

Mehr zum Thema Reisen, Inspiration für nah und fern findest Du immer am Dienstag auf dem Blog – einfach dem Hashtag folgen:

#TRAVELTUESDAY

 

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