Heute vor einem Jahr

Schon ein Jahr ist es her, dass ich die kleine Kaiserin geboren habe. Und wie es oft so ist, findet man doch schon einen Namen für das Baby, wenn es noch im Bauch ist.

Bei meiner zweiten Schwangerschaft war es jedoch nicht anders als bei der ersten: wir wollten uns überraschen lassen, was es wird. Da wir beim ersten Mal auch nicht wussten, ob uns ein Junge begrüsst oder ein Mädchen mussten wir also zwei Namen parat haben. Dennoch war Junior im Bauch immer unser „Powerfüßchen“. Er war sehr stark und konnte kräftig treten – und so ist dieser Name dann entstanden.

Auch bei der kleinen Kaiserin war es so, dass wir nicht wussten, ob es ein Mädchen werden würde oder doch ein Junge. Ja, ich schreibe ganz bestimmt „doch ein Junge“, denn dieses Thema trieb mich schon um. Wir hatten für Junior einen so tollen Namen und wussten, wenn wir jemals noch einen weiteren Jungen bekommen würden, dann wäre der „schönste Name“ – zumindest unserer Meinung nach – schon vergeben. Doch oft ist es doch auch so, dass man sich einen Namen aussucht und nach der Geburt feststellt, dass dieser nicht passt. Ich glaube sogar, dass man in Deutschland zehn Tage Zeit hat einen Namen festzulegen – das finde ich auch nur fair, denn die Hormone, die einen schon die ganze Schwangerschaft hindurch begleitet haben, werden nochmal noch durchmischt, wenn man ein Kind geboren hat. Der Hormoncocktail nimmt dann erst richtig seinen Lauf.

Aber auf Namen wollte ich mit diesem Text eigentlich gar nicht eingehen, sondern meine Notizen von vor einem Jahr mit meinen Gedanken ein Jahr danach vergleichen und aufschreiben. Ich schreibe ja ein Tagebuch für die kleine Sonne – ja, mittlerweile nennen wir sie Sonne, denn sie ist einfach so ein Frohmut, der dauernd lächelt und dem Leben mit Begeisterung begegnet, und daher musste ein neuer Name her.

Geburtsbericht der kleinen Kaiserin

Früh um 4.30 Uhr fuhren wir am Freitag morgen ins Krankenhaus. Unsere kleine Kaiserin hatte sich schon angekündigt, die Wehen hatte ich schon in der Nacht vom Mittwoch auf den Donnerstag. Und das auch in regelmäßigen Abständen von fünf Minuten und weniger. Meine Yogaatmung und Yogaerfahrung, die mich seit dem ich 16 bin begleitet, half mir jedoch auch diese Wehen bewusst und entspannt zu durchatmen. Und da man ja beim zweiten Kind sagt, dass die Wehen auch noch mal länger dauern können, warteten wir noch. Klar, am Donnerstag riefen wir schon im Krankenhaus an und fragten, was genau der Plan sei – also wann muss man denn ins Krankenhaus. Irgendwie hatten wir das völlig vergessen. Nein, wahrscheinlich nicht vergessen, aber damals bei Junior war es auch einfach anders – die Geburt an sich war anders.

Wir witzelten aber noch am Donnerstagabend, dass das Baby mir eine Verschnaufpause gönnte, denn die Wehen hörten ab circa 18.30 Uhr auf und so hatte ich noch Zeit Germany’s Next TopModel zu schauen. Ja, rückblickend ist es wahrlich witzig, weil es ja ein Mädchen geworden ist und sie sicherlich auch mal GNTM schauen wollte. Junior war sich ja schon recht früh sicher, dass „das Baby“ ein Mädchen werden würde. Aber wie das oft so ist, mit knapp drei Jahren weiß man ja eigentlich nicht, ob die Kinder sich das wünschen oder wirklich wissen. Die Sprache in diesem Alter erlaubt es sicher noch nicht so sehr zu verstehen, was der Unterschied zwischen den Wörtern „wissen“ und „wünschen“ ist. Aber um Sprachverständnis soll es ja nun nicht gehen.

 

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Diese Blumen werden mich immer an die ersten Tage zu Hause mit Baby erinnern…

 

Der Plan ist der Plan ist der Plan

Am Freitagmorgen – oder eher Nacht – war es dann aber so weit: ich wusste, dass das Baby nun bald kommen will. Irgendwann um vier Uhr morgens ging es wirklich nicht mehr und ich musste einfach im Krankenhaus anrufen und wir mussten los. Die Wehen waren nun wirklich anders als am Tag zuvor – immer wieder kann ich es nur als „Wissen, dass das Baby kommt“ beschreiben. Die Wehen waren von der Intensität und auch der Stärke und auch den Intervallen gleich wie am Donnerstag – aber als Mama spürt man doch, wenn das Baby kommen will.

Mein Muttermund war beim Eintritt ins Krankenhaus schon bei sechs bis sieben Zentimetern – das war super. Zur Info: bei zehn Zentimetern ist der Muttermund voll eröffnet und die Geburt tritt in die Presswehen um.

Irgendwann um acht oder neun Uhr war ich dann in der Wanne. Ich hatte auch bei meiner ersten Geburt mehrmals die Wanne genutzt – einfach auch als Ort der Entspannung. Mein unterer Rücken ist bei beiden Geburten immer der Ort der „Verspannung“ und irgendwann half es auch diesmal nicht mehr, dass mein Mann dort immer mit einem Massageball oder einem Holzroller massierte. Das warme Wasser in der Badewanne entspannt ja auch, weil es schön warm ist. Die Wehen hatte ich weiterhin und konnte so noch entspannter mit ihnen umgehen.

Gleichzeitig wurde durch diese körperliche Entspannung dennoch alles etwas heftiger und die Wehen wurden noch stärker und definitiv heftiger.

Dann um kurz vor zehn Uhr hatte sich mein Muttermund auf volle zehn Zentimeter geöffnet, dennoch war – wie auch bei der ersten Geburt – noch kein Blasensprung in Sicht. Die Stations-Gynäkologin wollte dann nur mal mit dem Finger nachprüfen, ob der Kopf sich schon fester ins Becken gesenkt hatte – dem war jedoch nicht so. Sie brachte sie daher wirklich aus Versehen zum Platzen. Heute, ein Jahr danach, bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob es wirklich nur aus Versehen war. Während des Geburtsprozesses im Krankenhaus hatte ich zwar schon mehrmals erwähnt, dass ich auch in meiner ersten Schwangerschaft sehr viel Wasser in meiner Fruchtblasse hatte, aber ich glaube so wirklich voll nahm das keiner.

Nachdem die Fruchtblase dann also geplatzt war, lief wieder sehr viel Wasser ab. Die Gynäkologin musste jedoch ihre Finger in mir lassen, um dem Kopf des Baby’s hoch zu halten. Obwohl alle überrascht waren – es waren zwei Hebammen und die Gynäkologin anwesend – wie viel Wasser rauslief, waren mein Mann und ich entspannt, denn bei der ersten Geburt kam deutlich mehr. Das Bett war nass und es lief auf den Boden – mein ganzes „Krankenhauskleidchen“ (ich hatte eines dieser blau-grünen Hemden an, da ich generell immer nackt sein wollte, aber die Hebammen das nicht gut fanden) war komplett genässt. Dennoch wusste ich, dass noch mehr Wasser drin ist.

Das Platzen der Fruchtblase in gar nicht so schlimm, denn es bringt die Geburt auch weiter voran. Ich wurde nun auch direkt in den Kreissaal gefahren, damit wir die Presswehen weiter voranbringen konnten.

Nach einer guten Stunde Presswehen passierte jedoch nicht mehr viel. Es war wirklich noch sehr viel Wasser in der Fruchtblase und wie auch bei meiner ersten Geburt, kam das Baby nicht richtig „runter“. Kurz wurde noch mit der Saugglocke versucht das Baby etwas zu steuern, aber es half nichts. Die Hebamme fragte mich auch noch: haben Sie das Gefühl, dass sie die Presswehen veratmen können oder haben sie einen unbändigen Wunsch zu Pressen? Tja, bisher hatte ich keine PDA und ja, ich hatte auf jeden das Gefühl, dass ich alles „veratmen“ könne. Der unbändige Wunsch zu Pressen war nicht da.

Daher kam es dann zu einem Notkaiserschnitt, denn es ging nicht mehr voran und ich war langsam wirklich am Ende meiner Kräfte. Da ich keine PDA hatte, musste eine Vollnarkose ran und bis heute finde ich es sehr schade, dass ich nicht „wach“ war als das Baby rauskam.

Später erzählte mir die Stationsärztin noch, dass es wirklich Wahnsinn war: ich hatte noch so viel Wasser in der Fruchtblase und eigentlich müsste man normalerweise das Baby wieder „hochziehen“ nachdem man die Saugglocke angesetzt hatte, aber sie meinte, dass das Baby völlig frei in der Fruchtblase schwamm.

Um 12.41 Uhr wurde sie geboren und ich bin um 13.09 Uhr aus der Vollnarkose erwacht. ich winner mich noch, wie ich immer „Baby, Baby, Baby“ sagte. Mein Mann hatte sich im Nebenraum die kleine Sonne auf die nackte Brust gelegt und als ich rübergefahren kam, legte ich sie sofort an die Brust. Das Stillen klappte auch diesmal problemlos.

Am schönsten und bezeichnendsten fand ich immer noch, dass ich wie selbstverständlich ein Kinderlied summte („Hänschen klein“ um genau zu sein) als ich sie bei mir hatte. Irgendwie beobachtete ich mich wie von außen und finde bis heute, dass diese Situation mir vor Augen geführt hat, was es heißt Mutter zu werden oder Mutter zu sein.

Geburt einer Kaiserin BineLovesLife

 

Was mir bei der Geburt geholfen hat

Schon viele Male wurde ich von Freundinnen und Bekannten gefragt, wie ich die Geburt erlebt habe. Jede Geburt ist natürlich auch anders und auf ihre Art besonders, denn sie ist der erste Kontakt mit der Welt – der Welt des Baby’s.

Und auch wenn meine erste Geburt von vielen als sehr schwere Geburt betitelt wird, habe ich doch eine andere Meinung dazu.

Meine zweite Geburt war nicht nur deshalb anders, weil ich schon ein Kind hatte, sondern auch, weil sie natürlich begann. Ich habe diese Geburt somit auch viel direkter miterlebt. Da ich die Geburt bis zum Kaiserschnitt völlig nüchtern erlebt habe – also komplett auf Schmerzmittel verzichten konnte – wurde ich schon oft gefragt, wie ich das denn gemacht hätte.

Gerne möchte ich deshalb hier meine Tipps für die Geburt teilen.

Tipp 1 für die Geburt: Atmen

Ich praktiziere schon sehr lange Yoga – seit meinem 16. Lebensjahr – und glaube an die Kraft des Atems. Ich weiß, dass er Schmerzen – beim Yoga – als angenehm erscheinen lassen kann.

Der Atem ist ein wichtiges Mittel, um sich auch während jeder Situation in seinem Leben zu beruhigen. Er bewegt, verfolgt und begleitet uns. Nicht umsonst gibt es auch etliche Ausdrücke in der deutschen Sprache, die den Atem in den Vordergrund stellen. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen: atemlos, den Atem verschlagen, atemberaubend, einen langen Atem haben, etc.

Der Atem ist für uns alle gleich: immer da und lebenswichtig. So wird der Atem der Mutter während der Geburt auch dazu genutzt, um das Kind auf die Welt zu bringen – nicht umsonst muss man während der Presswehen den Atem anhalten und dann fest pressen – damit man sich auf nichts anderes konzentrieren muss.

Meiner Meinung nach hilft es der Frau, die bald ein Kind erwartet an die Kraft ihre Atems zu glauben. Er kann wahrlich Berge versetzen und dann ist so ein Baby gebähren doch ein Klacks.

Tipp 2 für die Geburt: Entspannen

Das blödste und wirklich Nervigste, was man sich während der Geburt nicht vorstellen kann, ist die Entspannung. Ich glaube jedoch, dass man sich entspannen muss – und zwar langfristiger.

Viele Frauen stört es, wenn sie wissen, dass der Muttermund noch etliche Zentimeter benötigt bevor die Geburt weiter vorangeht. Dennoch sollte man die bereits überstandene Erfolge mehr feiern und sich entspannen. Im Hier und Jetzt bleiben und auf keinen Fall an gleich oder das Baby denken, wie es bald in den Armen liegt. Jede Wehe feiern, denn sie bringt das Baby voran, aber nicht an diesen Moment mit dem Baby denken.

Ich habe bei beiden Geburten immer wieder gefeiert, dass ich eine Wehe überstanden und gut veratmet hatte. Dankbar war ich, dass mein Körper das mitmacht. Und ich habe dadurch Entspannung gefunden einfach nur im Hier und Jetzt zu sein.

Tipp 3 für die Geburt: Loslassen

Bereits während meiner ersten Schwangerschaft habe ich gemerkt, dass das Leben mit Kind mir lehren wird loszulassen. Ich bin generell ein Typ Mensch, der gerne und viel nachdenkt – manchmal auch zu viel. Ich analysiere gerne, diskutiere gerne, überwerfe Gedanken und rekonstruiere mir neue Ansichten.

Der Moment der Geburt ist das erste Loslassen des Kindes in die Welt. Es folgen immer weitere Momente, die dem Loslassen weiter hinzukommen: der erste Robb- oder Krabbelversuch, der erste Schritt, der erste Tag im Kindergarten und so weiter. Alles ist ein Loslassen und Abnabeln. Alles – und die Geburt nämlich auch.

Lass los, lass das Kind raus, raus in die schöne Welt voller Wunder und allem, was es erwarten darf. Jeder Atem während der Wehen schickt das Kind hinaus auf den Weg in sein eigenes Leben.

Dieser Gedanke des Loslassen hat mir bei beiden Geburten sehr geholfen.

Tipp 4 für die Geburt: Vertrauen

Das Vertrauen an sich selbst schließt sicher auch den Punkt 3 an. Vertraue Dir und Deinem Körper. Klar, kann mein Körper ein Baby gebären, er hat es schließlich auch die letzten Monate so sehr versorgt und gehegt und gepflegt.

Ich habe mir immer vertraut und generell auch ein gutes Körpergefühl. Während der Geburt ist mir das jedoch immer mehr bewusst geworden: vertrauen heißt auch nicht nachdenken müssen, sondern bei sich zu sein.

Jede Frau kann – meiner Meinung nach – ihrem Körper vertrauen. Er wird das richtige machen – vor allem während der Geburt. Das ist schliesslich in unseren Genen so vorgesehen.

Tipp 5 für die Geburt: Fühlen

Und gleich schließt sich auch das Fühlen an, wenn man nämlich das Denken abstellt und sich nicht vorstellt oder ausmalt, wie es wohl mit Baby sein wird, dann ist eine Geburt ein ganz entspannter Prozess.

Fühlen, was im Körper und mit dem Baby passiert. Ohne Druck und ohne Erwartung. Fühlen, dass das Baby schon seinen Weg machen wird – denn das ist es auch: jedes Baby sucht sich seinen Weg. Als Mama darf man während der Geburt dem Baby helfen diesen Weg zu finden und stark zu gehen. Kraftvoll die Welt zu begrüßen und voller Freude das Leben zu beginnen.

Meine Geburt – mein Baby

Nach der Geburt hatte ich einige Tage – nein, sogar Wochen und Monate – damit zu kämpfen, dass das Baby wirklich durch einen Kaiserschnitt geboren wurde. Ich fühlte mich so stark und kraftvoll während der Geburt und hatte irgendwie auch einfach das Gefühl, dass ich versagt hatte.

Ja, ich weiß: das Baby war gesund – alles drin und dran und alles super. Dennoch wollte ich es auch natürlich schaffen. Auch mal ohne Schmerzmittel.

Darüber musste ich lange nachdenken und habe auch mit meiner Stationshebamme und der Nachsorgehebamme zu Hause gesprochen. Was genau bewegte mich, dass ich die zweite Geburt als so „eher negativ“ empfand. Viele Gespräche – auch mit meiner Familie – haben mir aber geholfen. Genau wie die Zeit, die ja bekanntlich auch Wunden heilt.

Ein wichtiger Gedanke, der mir auch half loszulassen, war, dass die kleine Sonne wohl ihren eigenen Weg gewählt hatte. Man sagt doch auch, dass ein Baby sich seinen Weg sucht. Und ich hatte dann für mich Ruhe und finde diesen Gedanken am passendsten: jedes Baby sucht sich seinen Weg und jede Erwartung, die wir an die Geburt stellen, sollte keinen Druck aufbauen, sondern lediglich ein Wunsch bleiben.

 

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