Das Dorf

Sicherlich ist der Satz „es braucht ein Dorf, um ein Kind grosszuziehen“ nicht unbekannt. Vor kurzem hatte ich eine sehr spannende Unterhaltung mit einigen Mamas, Papas und auch mit Pädagogen, wie dieser Satz sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt hat, der Bezug zur Realität jedoch völlig verloren gegangen ist.

So kann man sicher sagen, dass die Kinder, die heutzutage – und da kann ich vorerst nur von unserer westlichen Welt und speziell Deutschland sprechen – aufwachsen, eher kein Dorf mehr haben. Seit unserem Umzug zurück nach Deutschland ist mir immer wieder und verstärkt aufgefallen, wie viele Mütter mit ihren Kindern allein sind – ich eingenommen.

Die Umstände sorgen dafür, dass man aufgrund von Jobs und eigenen Träumen nicht mehr in seinem eigentlichen Ursprungsdorf, der eigenen Geburtsstadt oder gar in der Nähe der Eltern und Grosseltern wohnt. Hinzu kommt auch, dass wir heutzutage einfach später Eltern werden. Später, weil wir uns beruflich und privat mehr verwirklichen möchten. Später, weil viele auch hinterfragen, ob Kinder in das eigene Leben passen. Später eben.

Ein neues Dorf formen

Ein neues Dorf muss her, denn viele Eltern sind nur noch auf die Hilfe von Betreuung angewiesen, um wieder arbeiten zu gehen. Es ist normal, dass ein Kind in die Kinderkrippe und den Kindergarten geht. Zumindest für die Masse der Deutschen, auch wenn ich weiß, dass sich da wieder die Geister scheiden – doch darauf möchte ich mit diesem Text nicht eingehen.

Kann man ein Kind alleine grossziehen? Ja, ganz klar: ja. Ist es hilfreich für ein Kind alleine grossgezogen zu werden? Nun ja, ich denke eher nicht. Die Welt besteht aus Menschen und ein sozialer Umgang ist meiner Meinung nach sehr wichtig. Kinder brauchen Kinder. Kinder brauchen aber auch andere Erwachsene. Kinder brauchen andere Bezugspersonen. Dies muss nicht zwingend nur der Erzieher im Kindergarten sein. Dies kann eine Nachbarin, ein Freundin der Eltern, ein Verwandter sein. Dies sollte auch mal die Oma und der Opa sein. Wieso das aber oft auch nicht geht, ist weil die Familien über den ganzen Globus verstreut sind.

Das „Dorf“ wie wir es von früher kennen, bestand aus Grosseltern und anderen Erwachsenen gleichermaßen. Eltern waren nicht auf sich allein gestellt und daher gab es auch oft mehr als ein oder zwei Kinder in der Familie. Heutzutage ist es doch auch schon nicht mehr so verbreitet vier oder mehr Kinder zu haben.

Was braucht es im „neuen Dorf“, um den Eltern und den Kindern einer Familie auch etwas zu bieten, das zeitgemäß ist?

Meine Eltern haben mir erzählt, dass es zu meiner Kindergartenzeit auch völlig normal war, wenn die Kinder mal bei der Erzieherin übernachtet haben. Völlig normal ist es heutzutage eher nicht. Viele ältere Menschen leben allein oder in anderen Orten als ihre Kinder und Enkelkinder. Schon allein bei uns im Haus gibt es vier ältere Ehepaare, die auch eine Art „Leihgrosseltern“ darstellen könnten. Es geht nicht um die Betreuung der Kinder und nicht darum die Eltern zu entlasten. Es geht auch darum, dass Kinder nicht immer nur bei ihren Eltern sind.


Wieso vereinsamen Mütter?

Und dann wären wir auch schon mittendrin im Thema, das mich selbst sehr beschäftigt: warum Mütter vereinsamen. Mütter, die eigentlich auch nur Frauen mit Kindern sind, werden in diese Rolle hineingeboren. Eltern generell sind völlig neu in ihrer Rolle und es ergibt sich oft auch ein Gefühl der Überforderung, besonders, wenn man keine Entlastung hat.

Dass Eltern arbeiten gehen sollten und ob überhaupt, ist sicherlich jedem selbst überlassen. Doch es hilft schon, wenn man weiß, dass das Kind in guten Händen ist. Da die Kinderbetreuung in Deutschland nicht wirklich den Anforderungen der aktuellen Wirtschaftslage entsprechen, muss nachgeholfen werden. Wie gut kennt man sich eigentlich in seinem Umfeld aus? Wie viele Eltern nutzen die Möglichkeit einer Nanny oder Betreuung für das Kind am Nachmittag, denn sind wir doch mal ehrlich: die Betreuung eines Kindes ist mit einem Vollzeitjob sehr wichtig. Die meisten Kindergärten bieten eine Betreuung maximal bis 16.30 Uhr oder gar 17 Uhr an. Teilzeit zu arbeiten ist dann oft die einfache Lösung – oder eben der einzige Weg bei vielen Eltern.

Meiner Meinung nach vereinsamen Mütter in Deutschland, denn die Auszeit im Mutterschaftsurlaub schiebt sie in ein „off“. Eine Lage, die nicht mehr zu verändern ist. Steigt man schnell wieder in den Beruf ein, gilt man als Rabenmutter. Bleibt man länger mit dem Kind zu Hause gilt man als Helikopter-Mama.

Vorurteile gab es schon immer, aber viel schlimmer sind die gesellschaftlichen Erwartungen an die Mutter. Wieso muss eine Mutter eine „working mom“ sein. Was heißt überhaupt Arbeit? Ich glaube, es ist klar, dass ich mit dieser Frage auch ironisch darauf abzielen möchte, dass nicht nur wirtschaftliche Arbeit als Arbeit anerkannt werden kann. Wird sie aber dennoch nur.

Ein Abstieg oder gar Ausstieg aus der Gesellschaft erlebt jede Mutter, die länger als sechs Monate mit dem Kind zu Hause bleibt. Wo bleibt das „Ich-Gefühl“? Das Gefühl nach dem, was man wirklich für sich machen wollte? Grad letztens hatte ich mich im Buch von Leander Scholz „Zusammenleben“ verloren und auch wiedergefunden. Vertieft bin ich im Thema Selbstaufgabe und Neufindung in der Elternrolle schlauer geworden. Ja, man lernt ja nie aus.

Das Buch stellt sich ganz offen dem Thema Elternsein und was diese neue Rolle doch so sehr bei uns verändert. Gesellschaftlich und auch philosophisch, denn über die Elternschaft distanziert zu reden ist oft nicht möglich. Und wird bisher auch nie richtig angefangen.

Eine wichtige Feststellung zeigt das Buch aber nicht: das fehlende Dorf. Es ist eben aus Männersicht geschrieben und vielleicht machen sich Frauen einfach zu viele Gedanken.

Es braucht ein Dorf um ein Kind zu erziehen…

Wo ist das Dorf? Und wie sieht das Dorf der Zukunft aus?

Ich habe in den letzten Wochen – ach eigentlich Monaten – wirklich viel darüber nachgedacht und glaube, dass es eine Veränderung geben muss. Mehr Miteinander und mehr Unterstützung. Gegenseitige Unterstützung. Mehr Vertrauen und auch mehr Zuneigung. Als Vorbild für unsere Kinder, aber auch als Richtlinie für das neue Dorf.

Was brauchen wir von der Politik und der Gesellschaft?

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