Leben ohne Plastik – Erfahrungsbericht

Das Thema Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein beschäftigt mich bereits seit über einem Jahr. Auf dem Blog habe ich dazu bereits angefangen aufzuschreiben, was genau wir verändert haben und welche weiteren Schritte wir gehen möchten, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht.

Das Thema Nachhaltigkeit ist sehr breit gefächert: für mich gehört auch fairer Handel, Plastikfreiheit und Klimaschutz dazu. Beim Thema Plastik scheiden sich ja die Geister wie und wo man anfangen soll. Ich bin generell der Meinung: nicht zu viel nachdenken, einfach mal machen.

Plastikfrei leben – wie geht das?

Hierzu konnte ich meinen Schwager bitten ein wenig mehr zum Thema Plastikfrei leben zu schreiben. Er hat einen Monat Plastikfrei gelebt und in diesem Interview durfte ich mehr erfahren, was es genau heißt, wirklich frei von Plastik zu leben.

Einen Monat lang Plastikfrei leben – wie kamst Du auf diese Idee?

Ich habe 2017 in einer zweier-WG in Köln gelebt. Mein Mitbewohner und ich haben abends bei einem Bier darüber geredet, dass es verrückt ist, wieviel Plastikmüll wir zwei zusammen produzieren und wie häufig wir ihn runter bringen müssen. Daraus ist die Idee entstanden zu versuchen einen Monat ohne Plastik beim Einkauf von Lebensmittel auszukommen. Also war der Monat nicht komplett plastikfrei, sondern erstmal nur auf Lebensmittel beschränkt. 

Wir haben eine kleine Wette daraus gemacht. Plastikmüll den jeder von uns durch den Einkauf von Lebensmitteln verursacht, muss gesammelt werden. Wer am Ende mehr angesammelt hat, spendet 50€ an eine Umweltorganisation. 

Wie hast Du Dich auf diesen Monat vorbereitet?

Garnicht. Wir haben den plastikfreien Monat vereinbart und ab dem nächsten Tag ging es direkt los. 

An dem Abend haben wir noch zusammen recherchiert, dass es wenig Sinn macht, wenn wir Plastik weglassen und dafür die gleichen Produkte in Einweggläser kaufen, weil der Energieaufwand Glas herzustellen so enorm hoch ist. Mehrwegglas wiederum macht Sinn. Also haben wir es uns noch etwas komplizierter gemacht: Plastik war verboten, Einwegglas als Ersatz auch. Konservendosen haben für uns als Ersatz auch keinen Sinn gemacht – also auch verboten. Und da wir gerade ein Bier in der Hand hatten, kam das auch auf die Liste der verbotenen Dinge – wegen den Kronkorken.  

Also war die Idee es wenn dann richtig zu probieren. Die Sachen, die bereits im Kühlschrank waren und während des Monats ablaufen würden, haben wir jedoch noch aufgebraucht, weil wir natürlich nur deswegen nichts wegschmeißen wollten. 

Welche Schwierigkeiten gab es in der Umsetzung des plastikfreien Monats?

Der erste Einkauf war ganz schön augenöffnend. Ich kann dir empfehlen das nächste Mal im Supermarkt beim Einkaufen darauf zu achten, welche Produkte du unter den gesetzten Regeln nicht kaufen kannst. 

Fast jedes Produkt, das ich in den Händen hatte musste ich wieder zurück legen. Selbst die meisten Papierverpackungen haben darunter nochmal Plastik. Nach dem ersten Einkauf haben wir nicht gedacht, dass wir es schaffen können. 

Was gut geht ist Obst und Gemüse. Joghurt und Milch im Mehrweggläsern und Eier natürlich auch. Und danach wird es schon schwer. Selbst bei Nudeln haben fast alle Verpackungen mindestens ein Plastik-Sichtfenster. Hier gibt es manche Marken die wenigstens die Spagetti Packungen ohne Plastik anbieten.

Beim Bäcker haben wir unser Brot gekauft. Aber aufgepasst –  lässt man sich das Brot aufschneiden, wird es aus irgendeinem Grund immer in Plastik und nicht Papier verpackt.

Bei uns in der Nähe gab es einen verpackungsfreien Mini-Supermarkt. Das war hilfreich, der war aber wirklich klein und es gab nur die Basics. 

Wochenmärkte auf denen die lokalen Bauern ihre Produkte verkaufen gehen häufig auch gut. 

Was damals bei unserem Supermarkt nicht möglich war, aber mittlerweile diverse Supermärkte akzeptieren ist, dass man an der Wurst- und Käsetheke die eigene Box mitbringt und so auf die mit Plastik beschichtete Verpackung verzichtet werden kann.

Wir mussten uns den Monat bei vielen Dingen sehr einschränken, aber in Summe war es eine spannende Erfahrung. 

Würdest Du wieder einen Monat plastikfrei leben?

Grundsätzlich schon. Aber ehrlicherweise nur wieder wenn ein paar Freunde mitmachen und wir uns gegenseitig motivieren. Leider sind der Großteil der Produkte im Supermarkt dafür nicht ausgelegt und es geht einfach ein großer Verzicht damit einher.

Gibt es bei Dir jetzt generell mehr Fokus auf Plastik? Also versuchst Du jetzt generell mehr darauf zu achten, was Du kaufst und wie es verpackt ist?

Ich gehe seit dem auf jeden Fall bewusster mit dem Thema beim Einkaufen um. Immer wenn es eine sinnvolle Alternative gibt, wähle ich diese. Aber ich kaufe trotzdem mittlerweile wieder relativ normal ein und produziere dadurch zu viel Plastikmüll. 

Übrigens habe ich die Wette verloren. Mein damaliger Mitbewohner hatte es geschafft komplett auf Plastik zu verzichten. Ich wäre eigentlich auch ohne Plastik durchgekommen. Aber ich hatte einmal Abends unsere Bier-Regel vergessen und mir in Summe zwei Bier bestellt. Tja und damit habe ich also mit zwei Kronkorken verloren. 

Vielen Dank für diese aufschlussreichen Einsichten.

Wo genau verzichtest Du auf Plastik?

#SABINESSATURDAY

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. in euren Erfahrungen haben wir uns wiedererkannt
    war ein guter Artikel und auch gute Kommentare
    ganz plastikfrei zu leben ist nicht unser Ziel, aber wir passen doch sehr auf und vermeiden sehr viel konsum, indem wir fast nur zweite Hand-Sachen kaufen, egal, ob Möbel, PC, Musik, Bücher, Kunst, Spielzeug, Auto oder Kleidung
    das klappt sehr gut; wir haben wenig Verpackung, recyceln vernünftig und machen sehr vieles selber – beispielsweise kaufen wir kein Brot mehr und bauen auch das eine oder andere an

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    1. Wow. Es ist also wirklich immer mehr möglich. Danke fürs Teilen

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  2. Ich habe auch schonmal einen Monat plastikfrei gelebt und wir standen genau vor den gleichen Herausforderungen. Ich würde mir wünschen, einfach im Supermarkt Lebensmittel verpackungsfrei kaufen zu können, doch leider muss man in speziellen Läden gehen – das frisst viel Zeit (als Eltern ein kostbares Gut!) und Energie sowie Geld und zudem muss man die Einkäufe dann quer durch die Stadt buckeln, weil die Spezialläden natürlich nicht gleich um die Ecke sind.

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    1. Ja, das sehe ich auch so: es ist wirklich noch schwierig die einfachsten Lebensmittel plastikfrei verpackt zu bekommen. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass die Nachfrage das Angebot regelt und wenn man selbst bei seinem Einkauf mehr auf bestimme achtet und nur kauft, was einem gefällt dies auch in den Läden landen wird.

      Gefällt 2 Personen

      1. Auf jeden Fall. Wenn man die Auswahl hat: immer unverpackt. Leider hat man diese Auswahl im Supermarkt nicht. Man kann auf Brokkoli und Milch verzichten, sie aber nicht unverpackt kaufen. Um ein Statement zu setzen, muss man auf den Markt fahren, direkt zum Bauernhof, zu besonderen Geschäften ect. Und diese Hürde ist dann leider doch ziemlich groß, vor allem als Familie.

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      2. Ich glaube, dass der Weg zählt und wie Du sagst: einige Hürden werden so leicht nicht zu überwinden sein. Ich bin optimistisch (oder naiv) genug, um zu glauben, dass es auch etwas bringt, wenn wir darüber sprechen, schreiben und es eben mehr publik machen, was wir als Bürger brauchen.

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