Nachhaltigkeit als Familie

Eines meiner schwierigsten und meist diskutierten Themen ist das Thema Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit als Familie.

Wir leben seit Anfang des Jahres (2019) nachhaltiger. Was genau wir darunter verstehen, habe ich bereits in diversen Blogbeiträgen preis gegeben. Dennoch kam kürzlich wieder die Frage auf, wie es nun genau aussieht. Wie genau leben wir nachhaltiger als Familie.

Diesen Thema möchte ich also nun in diesem Blogpost auseinander nehmen.

Wie wir als Familie nachhaltiger leben

Es gibt viele Dinge, die wir als Erwachsene tun, die Kinder einfach miterleben und auch so kennenlernen. Das Thema Nachhaltigkeit war für uns alle jedoch neu. Klar, wir kaufen generell schon immer viele Lebensmittel in Bio-Qualität, aber Bio ist eben nicht unbedingt auch immer nachhaltig.

Da ich erst dieses Jahr mit dem Nachhaltigkeitsthema angefangen habe, war also definitiv eine Umstellung dabei. Junior war bereits vier Jahre alt und die kleine Kaiserin knapp zwei Jahre. Eine Zeit in der sich bestimmte Routinen eingebrannt hatten und somit auch bestimmte Dinge schon dazu gehörten, die es nun nicht mehr tun.

Diese Umstellung haben wir unseren Kindern versucht zu erklären und auch genauer mit ihnen veranschaulicht. Dazu gehören bei uns auch immer Bücher, denn Bücher können verbindlichen, was die Worte so schön umschreiben. Dies ist eine Reihe an Büchern, die wir den Kindern zum Thema Nachhaltigkeit vorgestellt haben.

Was wir tun

Die ersten und wichtigsten Veränderungen sind bei uns in den Bereichen gewesen, die wir täglich oder mehrmals wöchentlich nachkaufen. Dazu zählen vor allem Lebensmittel und Pflegeprodukte aus der Drogerie.

Lebensmittel einkaufen ist sicher kein großes Ding, denn wir haben einen Alnatura bei uns in der Nähe. Ich habe es mir da recht einfach gemacht – habe mich wöchentlich gesteigert. Von Bio zu Demeter zu Regional zu Saisonal. Und doch gibt es immer wieder diese Themen, die nicht ganz klar geklärt werden können: sind Milchprodukte die richtige Wahl? Meine wichtigste Frage, denn Landwirtschaft ist einer der beiden Hauptfaktoren für den erhöhten CO2 Ausstoss.

Ich möchte jedoch nicht vegan essen und auch das Essen bei einem Alnatura ist eben nicht das gleiche wie vom Bauern des Vertrauens. Ja, diese Brücke wollen diese Naturmärkte schlagen, dennoch kommt man schnell darauf, dass als Stadtmensch Nachhaltigkeit in bestimmten Aspekten auch nicht so einfach zu leben ist, da die Bequemlichkeit verloren geht.

Wenn man den neuesten Studien vertrauen darf, so ist die Einsparung von Plastik in Privathaushalten lächerlich klein. Grade mal drei Kilogramm CO2 werden eingespart. Im Vergleich zum täglichen Gebrauch eines Autos oder eben auch dem fliegen mit dem Flugzeug ist das nichts. Und da fängt eben auch das Dilemma an. Jeden Schritt den man geht – vor allem auf neuem Terrain – kann man erstmal nicht richtig trauen. Ich bin sehr misstrauisch geworden, was ich noch glauben soll und hinterfrage viel. Menschlich ist aber eben auch der Fehler und so gut es bestimmte Aspekte, die nicht so leicht zu fassen sind.

Wie wir als Familie Lebensmittel nachhaltig kaufen

Wir versuchen regional und saisonal in Demeter Qualität zu kaufen. Das ist nicht immer möglich und ist auch eher etwas teurer.

Wir könnten sogar alles vom Bauern haben, wenn wir den Weg auf uns nehmen und dort hinfahren. Ist das dann wirklich ökologisch?

Wie wir als Familie Pflegeprodukte nachhaltig kaufen

Pflegeprodukte gibt es noch und nöcher in Bio- und Ökoqualität. Schnell bin ich da auf die diversen Siegel gestossen. Und obwohl die Bundesregierung mit Siegelklarheit für Unterstützung beim nachhaltigen Einkauf unterstützen will, war ich sehr schnell verloren im Siegeldschungel. Also habe ich für den Bereich Kosmetika und Drogerieprodukte die Siegel selbst bewertet und eine kleine Anleitung aufstellt, wie man Pflegeprodukte nachhaltig einkaufen kann.

Bei Pflegeprodukten stellte sich mir schnell die Frage: ist Naturkosmetik wirklich das Gelbe vom Ei? In Naturkosmetik ist oft Alkohol enthalten, der auf der Haut austrocknend wirkt. Ein Vergleich von Naturkosmetik in Bezug auf Nachhaltigkeit.

Viele Produkte aus dem Pflegebereich sind in Plastikflaschen verpackt. Lohnt sich da ein Unverpackt Laden? Ist es besser ein festes Shampoo oder eine Haarseife zu benutzen? Wieso stelle ich eigentlich nicht alles selbst her? Und schnell kam ich zu dem Schluss: Nachhaltigkeit ist eventuell das Gegenteil von Bequemlichkeit – von Convenience. Denn in den Laden zu gehen, um ein Shampoo zu kaufen (egal welche Qualität es hat) ist praktischer und zeitsparender als es zu Hause selbst herzustellen. Die immer größere Frage verfolgte mich durch alle Bereiche unser Umstellung: Wie viel Bequemlichkeit kann ich aufgeben, um noch genügend Zeit für mein Leben – unser Leben – zu haben? Oder: Wieso leben wir nicht mehr wie früher auf dem Bauernhof, auf dem Land und machen alles selbst? Hat die Entwicklung nicht auch dazu beigetragen, dass es mehr Menschen in Berufen geben kann, die fernab von der schweisstreibenden Arbeit in der Forschung und Entwicklung arbeiten?

Wie wir als Familie Reinigungs- und Putzmittel nachhaltig kaufen

Auch bei den Reinigungs- und Putzmitteln habe ich schnell festgestellt, dass es Dinge gibt, die man getrost selbst herstellen kann. Dass Wäsche waschen auch anderes funktioniert als nur mit Waschmittel und Weichspüler. Und doch gibt es Dinge, die schon meine Oma zum Thema Nachhaltigkeit wusste, die einfach in Vergessenheit geraten sind und heute aktueller denn je sind.

Toilettenpapier: ja, wir können es auch so handhaben, dass wir uns ein Bidet einbauen lassen, um bloss nicht mehr Toilettenpapier arbeiten zu müssen. Denn so schön die globale Erkenntnis über Plastik auch ist: Holz ist auch keine endlose Ressource. Ich erinnere mich noch an meine Kindheit als es diese Werbung von irgendeinem Toilettenpapierhersteller gab. In der Werbung sprang ein Bieber (oder so) herum und erzählte wie wichtig und richtig es ist auf Holz zu setzen. Und im Hintergrund schossen die Bäume nur so aus dem Boden. Ich glaube, das war die TetraPak Werbung. Nun muss ich ehrlich sagen: ich habe bis heute nicht diesen Wald gefunden, in dem die Bäume nur so aus dem Boden schießen. Es dauert schon ein paar Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte – oder habe ich da etwas in der Schule falsch verstanden?

Nachhaltigkeit als Familie

Was wir verändern

Natürlich ist unser Ziel alles zu verändern. Und sagt man nicht, dass man sich hohe Ziele stecken soll, um angespornt zu bleiben. Zumindest sage ich das. So.

Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde und doch ist Nachhaltigkeit mit Kindern ein anderes Leben als es für viele Singles oder gar Paare sein mag. Denn natürlich frage ich mich auch: was für eine Auswirkung hat das Essen, was die Kinder in der Kita bekommen auf das Klima. Das Spielzeug und auch die Utensilien wie Putz- und Reinigungsmittel sind nicht in Bio- Ökoqualität. Doch viel wichtiger als diese Fragen ist auch der Gedanke: muss man alles immer so bis ins Detail hinterfragen?

Wie wir als Familie Kleidung nachhaltig kaufen

Ich kaufe – seit dem ich Mutter bin – vorwiegend Kleidung für meine Kinder. In der Schweiz habe ich sehr oft noch auf diversen Flohmärkten und in Secondhandshops gewühlt und gesucht. Seit dem wir in Deutschland sind, ist das immer weniger geworden. Es ist auch eine Geldfrage. Ja, in der Schweiz ist es auch günstiger gebraucht zu kaufen, anders ist das aber in Deutschland. Es gibt unendlich viele Marken und Läden, die sehr günstige Kleidung anbieten. Die Kleidung ist günstiger als man sie auf dem Flohmarkt bekommt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ja, wir brauchen hier nicht abdriften und über die Qualität der Kleidung nachzudenken.

Ich kaufe also für die Kinder einiges neu, miete Kleidung oder kaufe gebrauchte Kleidungsstücke. Die kleine Kaiserin trägt vieles, was ihrem großem Bruder nicht mehr passt. Wenn wir Kleidung neu kaufen, versuche ich auf eine gute ökologische Qualität zu achten. Doch auch hier bin ich auf diverse Textilsiegel und -zertifikate gestossen, die mich eher verwirrt als aufgeklärt haben. Nachdem nun Anfang September noch ein neues Textilsiegel von der Bundesregierung eingeführt wurde, bin ich nicht weniger aufgeklärt. Daher habe ich auch für Textilsiegel und -zertifikate einen Kompass angelegt, der mir hilft ein wenig durch den Maschenwahn zu steuern. Kleidung als Familie nachhaltig einkaufen – ein Kompass durch den Siegeldschungel.

Was wir noch verbessern wollen

Es gibt diesen einen Aspekt, den wir definitiv leben und der genauso oft für Missverständnisse sorgt. Reisen. Wir lieben Reisen. Wir lieben es zu verreisen.

Nun kann man die Frage stellen, ob wir es als zwiespältig oder gar widersprüchlich empfinden regelmäßig Fernreisen anzutreten. Meiner Meinung nach macht hier auch ganz der Ton die Musik. Der Ton ist sicherlich Häufigkeit der Flüge und sicherlich auch auf bestimmten Strecken unabdingbar. Ja, ich bin auch schon mal mit der Transsibirischen Eisenbahn gefahren und könnte sicher auch so reisen. Jedoch ist für unsere Fernreisen eben nicht der Weg das Ziel, sondern das Ziel das Ziel.

Klar, könnte ich auf Kurzstrecke lieber mit der Bahnfahren. Klar, mach ich. Flugreisen und der dazugehörige Klimaaspekt sind immer wieder in der Diskussion – jedoch nur, weil sie so offensichtlich sind. Ist es besser mit der Bahn zu fahren, wenn die Streckenwege mit Glyphosat versorgt werden, welches dann ins Grundwasser gelangt? Wir sind schon seit immer Leitungswassertrinker und irgendwie kommt man nur noch ins Straucheln, umso mehr man sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt.

Sollte ich mich nun schlecht fühlen? Nein. Sollte ich etwas ändern? Ich persönlich? Ich Sabine? Ich möchte etwas ändern und glaube, dass es so für mich und für uns passt. Muss ich mich schlecht fühlen? Nein, sicher nicht. Muss ich mir dennoch unnötige Kommentare, Nachrichten und Emails mit Besserwisserkommentaren durchlesen? Mittlerweile nicht mehr. Mein Fell ist dicker. Ich weiß, wer ich bin und ich mag, wie wir diesen Weg angehen und wie wir ihn angehen. Denn das ist meiner Meinung nach der wichtigste Punkt: jeder darf für sich entscheiden. Ich finde es falsch, wenn andere einen belehren.

Was uns schwer fällt

Ich glaube am schwierigsten ist es die ganze Tragweite der Debatte zu überschauen ohne sich in den Details zu verlieren. Die richtige Richtung für alles zu finden und aufzudröseln. Leider ist es auch oft so, dass die objektive Meinung oder besser gesagt die kritische Analyse fehlt oder schwer zu finden ist. Wir leben in einer Welt, die von Geld bestimmt ist. Die Marktwirtschaft und der Kapitalismus leben vom Umsatz und dem Nutzen der Ressourcen zu den niedrigsten Kosten. Wie kann ich da einer Marke, einer Firma und einem Unternehmen vertrauen, das vorgibt mir die angefragten Aspekte der Nachhaltigkeit zu erfüllen? Auch dieses Unternehmen ist an einem Umsatz interessiert. Und da wir in einer aufgeklärten Welt leben, die voller Informationen ist, lerne ich eben auch, dass sogar die sozialen Einrichtungen und Organisation nicht frei von Fehlern oder gar mutwilliger Korruption sind.

Wie soll ich als Bürger also den richtigen Weg finden? Gibt es überhaupt diesen richtigen Weg? Nun könnte ich ja auch alles selbst recherchieren und die Zahlen für mich ausarbeiten, lesen und interpretieren.

Wieso es immer möglich ist

Bevor dieser Text nun zu sehr in die negative Seite abdriftet, folgt noch ein wenig Aufmunterung. Denn wer mich kennt, weiß, dass ich generell an das Gute glaube. Ich glaube, dass es immer möglich ist. Es gibt in vielen Bereichen wirklich offensichtliche Dinge, die ich verändern kann. Das ist ein Weg – mein Weg und unser (damit meine ich meine Familie) Weg.

Wir haben uns mit dem Thema Banken beschäftigt, denn auch Geldanlagen können nachhaltig sein. Stromerzeuger, die grün sind, gibt es. Versicherungen, Handyverträge und bestimmte Elektrogeräte finde ich nicht nachhaltig – geht das überhaupt?

Wir haben für uns den richtigen Weg gefunden: kleine Schritte, Babysteps, immer in die für uns richtige Richtung.

Anregungen aus Büchern

Bücher zum Thema Nachhaltigkeit? Gibt es fast wie Sand am Meer. Endlos viele Bücher, die sich jedoch immer nur mit einem Teilaspekt beschäftigen, denn das Thema ist sehr multidimensional. Ich habe daher ein paar Bücher gefunden, die meiner Meinung nach das Thema Nachhaltigkeit mehr an der Wurzel greifen. Es geht um Politik, Wirtschaft und Lebensformen, um zu mehr Nachhaltigkeit zu finden. Nicht irritiert sein, denn in dem verlinkten Artikel sind auch ein paar andere Bücher vorgestellt worden.

Ideen für die Integration des Themas in die Kita

Lösungsorientiert denken – das sagt mein Mann immer. Lösungsorientiert sagt er. Und was ist die Lösung aller Probleme, wenn man sie immer nur alleine denkt? Genau: gemeinsam arbeiten und so eine Lösung finden.

Im Falle der Nachhaltigkeit gehört meiner Meinung nach sehr viel Vorbild dazu. Pioniergeist wäre sicher auch der richtige Ansatz, doch ich halte mich selbst nicht für so vorreiterisch. Vorbild möchte ich zuerst immer noch für meine Kinder sein.

Kinder sind die Zukunft – sie sind zumindest meine Zukunft. Sie gehören zu unserer Zukunft dazu. Unsere beiden Kindern gehen schon in die Kita: in die Krippe und den Kindergarten, um genau zu sein. Aufgeweckte junge Geister, die mehr können als man ihnen zutraut. Kinder eben.

Und wie bei so vielen Dingen im Leben ist mir die Meinung meiner Kinder sehr wichtig. Auch beim Thema Nachhaltigkeit setze ich gerne auf ihre Meinung. Für unsere Kinder haben wir bereits einige Bücher zum Thema Nachhaltigkeit zu Hause. In unserem Kindergarten wird das Thema Nachhaltigkeit auch so weit angegangen, dass regelmäßig mit den Kindern Ausflüge in die Natur unternommen werden und die Materialien aus der Natur in den Alltag mit eingebunden werden – so basteln die Kindern mit Naturmaterialien. Bei Festen und Veranstaltungen werden die Eltern und eingeladenen Gäste gebeten ihre eigenen Teller und Tassen mitzubringen: Einweggeschirr kommt daher nicht zu uns in den Kindergarten. Der Innenhof der Kita wird zusammen mit den Kindern angelegt, dass sich Platz für Erdbeeren, Tomaten und andere Pflanzen bieten.

Es gibt etliche keine Wege, die die richtige Richtung gehen und doch noch so viel zu tun.

Was findest Du beim Thema Nachhaltigkeit am schwierigsten umzusetzen?

#ChangeIsNow

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