Wo geht die Reise hin

Reisen ist dieses Jahr besonders spannend. Einerseits ist es erlaubt gewesne – teilweise. Und andererseits wurde auch davon abgeraten. Nicht nur über die Politik haben wir erfahren, dass jede Reisesitaution eben mit Bedacht ausgewählt werden sollte. Auch in unserem sehr großen Bekanntenkreis – was wahrscheinlich normal ist, wenn man ein Kind im Kindergarten und ein Kind in der Schule hat – gab es die unterschiedlichsten Meinungen zu diesem Thema.

Wir selbst haben versucht urlaub zu machen. Einmal waren wir im August in der Schweiz und haben dort für zwei Tage Freunde besucht. Danach wollten wir noch eine gute Woche in das Reka Feriendorf, doch das musste dann direkt abgesagt werden. Der Grund: auch wir waren von einer Quarantäneregelung betroffen. Da es das erste Mal mit der Quarantäne für uns war, haben wir viel geredet und diskutiert und sind irgendwie zum Schluss gekommen, dass Reisen in Zukunft wohl anders aussehen wird.

Wir müssen Reisen neu denken!

Und ja, ich schreibe bewusst das erste Mal in Quarantäne, denn ich glaube, dass dies nun häufiger passieren kann. Wie gesagt, ist die kleine Kaiserin im Kindergarten und Junior in der Schule. Da wir Eltern die Gebäude noch betreten dürfen – natürlich mit Maske – gibt es dennoch viele Berührungspunkte mit anderen Menschen und vor allem die Nachverfolgung, die aufgrund der PCR-Tests sehr langwierig erscheint, geben mir eben das Gefühl, dass es eben doch häufiger passieren kann wieder von einer Quarantäne betroffen zu sein.

Tourismus in Zeiten von Corona

Vor knapp zwei Wochen fand das Nachhol-Event der ITB Berlin statt. ITB Berlin – das ist die internationale Tourismusbörse Berlin – die ich vor allem dieses Jahr zum ersten Mal besuchen wollte, da ich mit dem Thema Reisen mit Kindern auf dem Blog sehr viele Berührungspunkte habe und so eben auch in Kontakt mit Gleichgesinnten und möglichen Kooperationspartnern kommen kann.

Die ITB Berlin wurde dieses Jahr – sie findet meist im März statt – kurz vor knapp abgesagt, als sich die Bundesregierung für den teilweise Lockdown aufgrund von Covid-19 entschieden hat.

Nun war also vor zwei Wochen der Nachholtermin. Digital versteht sich und eben dennoch sehr gut geplant. Es waren drei tage voller Programm und aufgrund der mittlerweile sehr ausgereiften Technik von diversen Online Meeting Anbietern, kamen auch persönliche Gespräche zustande – es war fast wie eine echte Messe. Eben nur digital.

Die digitale Messe hatte meiner Meinung nach einen unheimlich kompakten Charakter. Informationen wurden sehr gut vermittelt und so stand auch das Thema Reisen in Zeiten von Corona zwar im Mittelpunkt, wurde dennoch vielfältig diskutiert.

Eine Nachricht, die sich trotz der schlechten Lage jedoch durch die ganze Veranstaltungsreihe zog, war die Reiselust.

Reiselust trotz Corona ungebrochen

Natürlich herrscht generell eine Verunsicherung in der Bevölkerung und es auch klar, dass viele Reisende einfach ein erhöhtes Informations- und Sicherheitsbedürfnis haben. Die Reisbranche sieht ausserdem den immer stärker werdenden Ruf nach mehr sozialer Nachhaltigkeit und, dass Onlinebuchungen weiterhin ein Trend bleiben.

Die Erkenntnisse des B2B-Freitags von „We Love Travel!“ lassen sich auf 12 Punkte festlegen. *B2B steht für Business to Business und „We Love Travel!“ ist die Veranstaltung, die aufgrund der abgesagten ITB Berlin und des Berlin Travel Festivals nun digital stattfanden.

12 wichtige Erkenntnisse zum Thema Reisen in Zeiten von Corona

Die Krise hat neben ihren schweren Seiten auch viel neues Licht auf bestehende Prozesse und Arbeitsweisen geworfen. So gibt es nun in der Tourismusbranche auch ein neues Verständnis für Risiken, das somit wiederum ein Potential für neue Chancen darlegt. Neu und definitiv nicht zu vernachlässigen ist das Bewusstsein für sozial und ökologisch verantwortliches Reisen. Dieses ist gewachsen und hebt generell die Reisequalität.

Hauptproblem: Verunsicherung

Die Zahl der Übernachtungen ist von 1950 bis 2019 weltweit um das 60-fache gestiegen (Daten stammen von Peter Kautz von Statista). Aufgrund der Pandemie – oder wie es auch heißt „Doch dann kam Corona“ – gibt es bisher einen weltweiten Umsatzrückgang von 55 Prozent der touristischen Aktivitäten. Diese Veränderung hat somit alle bisherigen Krisen in den Schatten gestellt. Da sowohl die Dauer als auch die Entwicklung in Bezug auf Reisen noch nicht absehbar ist, ist eben auch klar, dass die Erholung länger dauern wird – wie lange, kann man aber noch nicht sagen. Zum Vergleich: der Einbruch in diesem Jahr ist ungefähr vergleichbar mit 9/11 oder der Finanzkrise.

Hoffnungslosigkeit aussichtslos

Ja, die Reisebranche hat schon viel gelitten. Und nicht nur zum ersten Mal. Dennoch – und das würde ich glatt mal auf die Einstellung vieler Menschen in der Reiseindustrie schieben – ist die Hoffnung noch lange nicht gestorben. Michael Buller vom Verband Reisevertrieb VIR verweist auf jüngste Umfragen, die klar und deutlich zeigen „die Menschen wollen reisen„. Wer so wie wir nicht reisen konnte, der will nun erst recht reisen. Und das trifft sich auch mit der Aussage von Ulf Sonntag (Marktforscher am Kieler Institut für Tourismusforschung): „Sie haben Geld, Zeit und Lust, wieder zu verreisen“.

Transparenz als Vertrauensbasis

Wie in vielen Branchen ist das Vertrauen nun auch wichtiger denn je. In Bezug auf Tourismusmarketing gilt Vertrauen als die neue Währung. Vor allem, weil die Krise so unverhofft und eben für viele unvorbereitet kam, setzen viele Reisenden nun auf Transparenz der Reiseanbieter, bevor sie sich für eine Reise entscheiden.

Compliance- und Diversity-Erfolge

Eines meiner liebsten Aussagen kam von Martina von Münchhausen vom WWF: „Jeder sollte seine Reise als besondere Mission ansehen und nicht einfach nur mal wieder zum Billigpreis in ein Flugzeug steigen“.

Generell – und das können sicher alle Reisefreunde bestätigen – gilt auch in der Reisebranche, dass Reisen eine Erweiterung des Horizonts und damit das Verständnis für die Erhaltung der einzigartigen Welt und ihrer natürlichen und ethischen Werte fördert.

Soziale Nachhaltigkeit

Das Thema soziale Nachhaltigkeit ist schon länger im Bewusstsein einiger Reisenden, dennoch ist es durch die Krise nun auch gewachsen. Durch die fehlenden Tourismus-Einnahmen gibt es in vielen Zielländern teilweise gravierende Folgen für Wohlstand und Menschenrechte. Vor allem den Eindruck, den wir von einem Land beim Reisen bekommen können, verdanken wir auch nur dem Fakt, dass bestimmte Regionen touristisch erschlossen sind.

Dennoch hat die Krise auch andere Krisen weiter vorangetrieben.

Erhöhtes Informations- und Sicherheitsbedürfnis

Wie schon eingangs erwähnt, ist vielen Reisenden deutlich wichtiger geworden, dass sie Informationen und Sicherheit für ihre Reise benötigen. Gleichzeitig eben auch, dass diese Sicherheit vor Ort – im Urlaub also – gewährleistet werden kann. Doch auch die Sicherheit und das Informationsbedürfnis in den Reiseländern ist gestiegen.

Entzerrung durch Corona

Reisen hat sich durch Corona auch dahingehend verändert, dass es nun eben neue Ziele gibt, die für Reisende interessanter geworden sind – Beispiel: Reisen innerhalb von Deutschland. Aber auch exklusivere Ziele, die vor allem die Nachhaltigkeit einer Destination im Fokus haben, sind mehr in den Trend gerutscht.

Die Vorteile einer Entzerrung von Reisen hat eben auch dazu beigetragen, dass Massentourismus und sogar Overtourismus eventuell ein Ende finden können. Nun müssen aber eben auch beide Seiten: Veranstalter (Stakeholder generell) und Reisende dazu beitragen, dass es so bleibt. Einerseits wird klar, dass Deutschland nicht immer nur für Deutsche interessant wird, dennoch sollten diese Destination, die nun einen Aufschwung erlebt haben, auch dafür sorgen, dass sie weiter an diesen Erfolg anknüpfen.

Onlinebuchungen

Onlinebuchungen gibt es schon länger. Diese haben sich durch die Krise jedoch als ein bleibender Trend herauskristallisiert. Offline-Buchungen sind allein schon aufgrund der Zeitverzögerung nicht immer passend – vor allem im Camping-Bereich. So konnte Uwe Frers (ADAC Camping) bestätigen, dass die täglich geänderten Corona-Restriktionen ein Risiko für die Offline-Buchung war, denn die Campinglätze waren überfüllt.

Preiskämpe kurz und erfolglos

Preiskämpfe sind in der Tourismusindustrie eher untypisch. Die meisten Reisenden sind in der Krise von verschiedenen teuren Zusatzleistungen getriggert worden. Somit ist ein Preiskampf kaum noch möglich, denn auch die Reisenden sind wachsamer geworden. Dennoch wird es auch hier wieder einige Anbieter geben, die es versuchen werden mit Preiskämpfen neue Kunden anzuziehen.

Reisequalität steigt

Ein Grund für die steigende Reisequalität sind das höhere Sicherheits- und Hygienegefühl, dass Reisende mit höherwertigen Reisen verbinden. Vor allem der Privat-Transfer ist hinzugekommen – um nur einen der neuen Bausteine bei der Reise zu nennen.

Pauschalreise geht immer

Ich persönlich kann diesen Trend nicht ganz nachvollziehen, fass hier jedoch gerne zusammen, was darunter zu verstehen ist.

Die Pauschalreise wird vor allem mit mehr Sicherheit, Hygiene und Flexibilität die Corona-Krise überleben. Viele Reisenden fühlen sich demnach in risikoreichen Zeiten bei einer Pauschalreise sicherer. Doch auch hier wird es zu steigenden Kosten kommen, denn irgendwie muss die Pauschalreise ja auch wirtschaftlich bleiben.

Neue Produkte für den Reisemarkt

Die meisten Reisenden, die im Jahr 2020 gereist sind, haben sich eine direktere Betreuung und ein angepasstes und personalisiertes Angebot gesucht, um den Anforderung gemäß der Corona-Einschränkungen zu folgen. Für den Reisemarkt kann dies vor allem so dargestellt werden, dass Reise-Anbieter dem Reisenden viel maßgeschneidertere Angebote aufzeigen und vor allem während der Buchung flexibel bleiben.

Bist Du dieses Jahr schon verreist? Wenn nicht, wohin würdest Du gerne reisen?

#TravelTuesday

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