Auszeit für Mama

oder: Glaube nicht, was Du denkst…

Meine Auszeit in Berlin war schon bitter nötig und ich habe wirklich mit mir gehadert, ob ich hier auf dem Blog auch etwas dazu schreiben soll. Ja, mein Blog ist persönlich – quasi mein Online Tagebuch. Aber wer mich privat kennt, weiß, dass ich eigentlich noch nie im Leben ein Tagebuch geführt habe und daher auch nicht so richtig viel Privates aufschreibe. Der Blog ist da neu und anders. Ich teile Schönes, Neues und Spannendes und ab und an auch Persönliches. Irgendwie gibt es aber doch eine Grenze – eine unsichtbare Grenze, die ich irgendwie einhalte und die aber auch nicht immer klar abzugrenzen ist.

Würde ich über Krankheiten schreiben? Nein, auf den ersten Blick würde ich „nein, nie“ sagen. Aber wie war das nochmal? Sag niemals nie.

Heute soll es aber nicht um Krankheiten gehen…oder vielleicht doch.

Sieben Wochen verrückt.

Noch in meinem alten Job in der Schweiz schenkte mir meine Mama einst ein Buch mit dem Titel „Sieben Wochen verrückt“. Ein tolles Buch, das mir damals auch half mit dem Stress auf Arbeit umzugehen und irgendwie eine andere Sichtweise anzunehmen. Jetzt – knapp fünf Jahre danach – ist das alles ein wenig anders. Mit Kindern – ja, mit einem Kindergartenkind und einem fast einjährigen Baby – sind Probleme für mich oft greifbarer und nehmen mich mehr ein. Na, ob das damals nicht auch schon so war, kann ich rückblickend gar nicht mehr richtig sagen…ich lebe einfach im Jetzt und jetzt ist wirklich viel los.

Junior geht seit September in den Kindergarten. Nach knapp eineinhalb Jahren Krippe war der Übergang nur logisch und wichtig. Ich habe Junior damals auch nur in die Krippe geschickt, weil wir aus der Schweiz nach Deutschland kamen und ich ihm die Kinder nicht mehr bieten konnte. In der Schweiz ist das alles etwas anders – ich hatte bereits hier mal darüber geschrieben.

Ich erinnere mich auch noch an einen guten Rat – wobei, ob Rat hier das richtige Wort ist, weiß ich grad gar nicht – als sie meinte „kleine Kinder – kleine Probleme und große Kinder – große Probleme“. Ich erlebe viel Neues mit Junior – er ist einfach mein erstes Kind und vieles kommt mir daher intensiver vor. Wie das auch oft so ist, die zweiten Kinder sind meiner Meinung nach nicht nur härter im nehmen, sondern dürfen auch einfach mehr – vielleicht, weil die Eltern nicht mehr so genau hinschauen können.

So oder so hat mich die komplette Situation mit all den Veränderungen und Erwartungen auch sehr mitgenommen. Bereits im Dezember hatte ich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt mit beiden Kindern – und ohne Mann wohlgemerkt – nach New York zu meinem Bruder zu reisen. Ja, ich weiß, dass das unheimlich anstrengend ist, dennoch wollte und brauchte ich eine Ablenkung. Doch noch passend zu Weihnachten – am Freitag davor – ereilte mich eine Mandelentzündung. Die zweite innerhalb von zwei Monaten wohlgemerkt – meine HNO Ärztin meinte auch nur „sie sind das perfekte Opfer“. Ja, alle Mamas können davon sicher ein Lied singen, kaum sind die Kinder krank, wird man selbst auch krank. Bei mir ist es eigentlich eher so, dass ich seit Junior in der Krippe ist selbst immer alle Krankheiten aufschnappe – Junior bleibt natürlich unversehrt. Jetzt mit der kleinen Kaiserin, die ich ja auch noch stille, macht sich das Winterwetter noch mehr bemerkbar und ich bin daher wirklich das perfekte Opfer.

Meine Auszeit war daher auch dringend nötig. Ich bin nämlich auch der Meinung, dass man Dinge, die man in Gedanken mit sich rumträgt und die einen beschäftigen auch irgendwann körperlich auslebt und andersrum. Ich habe mich wirklich stark aufgerieben und konnte eigentlich über nichts anderes mehr nachdenken.

Eine Entscheidung – ein Gedanke

Wann ist ein Kindergarten ein guter Kindergarten? Woran erkenne ich, ob mein Kind pädagogisch wertvoll betreut wird? Sind meine Erwartungen zu hoch, wenn ich möchte, dass neben reiner „Aufbewahrung“ auch pädagogische Arbeit mit meinem Kind gemacht wird? Darf man den Kindergarten kritisieren? Darf man das ganze System kritisieren, dass uns Eltern unter Druck setzt wieder arbeiten gehen zu können und dennoch nicht sicher wissen zu können, ob es dem Kind adäquat gut geht?

Wann ist alles zu viel? Gibt es ein „zu viel“ des Nachfragens, Verstehen Wollens und des Sich Gedankenmachens?

Irgendwann kommt sicher jeder Elter an diesen Punkt, an dem man darüber nachdenkt, was das Kind eigentlich so den lieben langen Tag in einer Einrichtung treibt und ob das wirklich so gut für das Kind ist. Vielleicht habe ich auch zu hohe Erwartungen oder ich kann mich nicht nach hinten orientieren. Ich möchte mich auch nicht nach hinten orientieren. Wenn es die Regel sein soll, dass Kinder in ganz Deutschland unter dem Erziehermangel leiden, dann kann ich das nicht akzeptieren. Ich kann nicht akzeptieren, dass dies unser System ist. Irgendwie komme ich mir da veräppelt vor. Wieso? Ganz einfach, weil ich glaube, dass mit Hilflosigkeit gespielt wird. Kinder brauchen Kinder – das sage ich immer wieder. Einige jedoch früher und andere später. So oder so brauchen alle Kinder aber auch einen pädagogischen Rahmen in dem sie sich entfalten können und wachsen. Geistig und emotional. Das Zusammenleben zeichnet uns als Menschen aus. Das Miteinander ist eines der wichtigsten Güter, die wir an die nächste Generation weitergeben können. Krisen überstehen, Ängste verarbeiten und auch in schweren Zeiten den Durchblick behalten. All das geht miteinander leichter als gegeneinander.

Ich glaube an das Gute im Menschen – in jedem Menschen – und ich glaube daran, dass jeder es gut meint. Mir ist bewusst, dass dies oft nicht der Fall ist und dass ich oft einfach naiv bin, dennoch behalte ich mir diese Einstellung bei.

Wenn alles zu viel wird

Wieso ich eigentlich nach Berlin fuhr, war also auch, um eine Entscheidung zu bekommen. Für mich und auch für Junior. Die Zeit bei meinen Eltern half mir da sehr. Mein Mann meinte ja wirklich schon vor der Reise, dass es auch einfach zu viel ist. Nicht die Reise an sich, sondern einfach meine Gedanken darüber.

Irgendwann ist es auch einfach zu viel – meinte er

Ja, sicherlich hatte er recht, dennoch war das für mich damals nicht so klar nachzuvollziehen.

Ich hatte mir nicht nur viele Gedanken gemacht, sondern war wahrlich festgefahren – rückblickend kann ich das auf jeden Fall sagen. Meine Gedanken kreisten nur noch um den Kindergarten. Da viele unserer Freunde und Nachbarn ihre Kinder auch in den gleichen Kindergarten bringen, war es unausweichlich, dass man irgendwann auf den Kindergarten zu sprechen kam.

Denn auch anderen Eltern fielen die Veränderung – die meist eher zum Negativen waren – auf und sie wollten etwas ändern. Und für mich waren die Gespräche irgendwann auch einfach zu viel. Klar, hätte ich einfach das Thema wechseln können, aber es beschäftigte mich auch. Ich bin auch im Elternbeirat vom Kindergarten und habe daher auch das Gefühl, dass ich viel über die Zustände zu hören bekomme. Und irgendwann war es einfach zu viel.

Schon die Anreise nach Berlin war schön – aber mehr dazu schreibe ich dann mal in einen anderen Blogpost – und dennoch konnte ich auf der Fahrt vom Flughafen zum zu Hause meiner Eltern über nichts anderes mit meiner Mama reden als…Kindergarten.

Die Nächte in Berlin waren kurz – einerseits, weil ich die kleine Kaiserin über Nacht abstillte – also nicht komplett, sondern nur die Zeit in der Nacht. Der Grund für das Abstillen in der Nacht war einfach der, dass ich mehr Kraft und Ruhe brauche, um für beide Kinder da zu sein.

Willst Du mal mehr darüber wissen, wie ich das Abstillen über Nacht gemacht habe und mich dabei gefühlt habe?

Die Nächte waren aber nicht nur deshalb kurz, sondern auch, weil ich viel mit meinen Eltern sprechen konnte. Ich wollte und musste. Ja, sie waren auch Eltern. Ach quatsch, was sage ich? Sie sind ja immer noch Eltern. Und jetzt wahrlich noch Grosseltern dazu. Große Eltern in jederlei Hinsicht, denn auch für ihre großen Kinder – und damit mich – sind sie immer da und helfen mir.

Akzeptiere Dinge, die Du nicht verändern kannst

Kann man alles verändern? Wer mich fragt, dem antworte ich: Ja! Denn meiner Meinung nach, kann man – wenn man will – wirklich alles verändern. Klar, bedürfen bestimmte Dinge einfach mehr Kraft und andere werden auch nicht sofort verändert, aber eine Veränderung ist möglich.

In meiner Zeit in Berlin sagten mir meine Eltern also auch: akzeptiere, dass Du bestimmte Dinge einfach nicht verändern kannst. Jetzt soll hier kein falsches Bild von meinen Eltern entstehen, denn sie sind wirklich offen und auch realistisch, dennoch konnte ich diesen Satz nicht verstehen.

Ich fühlte mich wahrlich enttäuscht und auch ein wenig getroffen von diesem Satz.

Der eigentliche Grund für diese Enttäuschung ist natürlich, dass ich diesen Satz nicht einfach akzeptieren kann. Ist es wirklich so, dass man bestimmte Dinge nicht ändern kann und das so akzeptieren muss? Meine Eltern und ich hatten noch eine lange Diskussion, die bis fast drei Uhr nachts dauerte. Für mich war nach dem Gespräch aber auch klar, dass es mehr zu verstehen gibt, als aufzugeben.

Dinge, die man nicht ändern kann, zu akzeptieren, sagt nur aus, dass man sich dessen bewusst sein soll. Natürlich kann man kämpfen und auch eine Herangehensweise an diese Dinge entwickeln, dennoch sollte man sich bewusst machen, dass nicht alles so einfach und locker von der Hand geht. Bestimmte Dinge – vor allem, wenn man emotional involviert ist – werden einfach zu viel. Irgendwann stösst man an einen Punkt, der eigentlich eine Sackgasse ist, man reibt sich mehr und mehr auf und eh man sich versieht, ist man völlig kaputt.

Es war eine Warnung und ein Schutz in einem

Meine Eltern, wie sicher viele Eltern, möchten ihr Kind nicht unnötig leiden sehen. Einige Dinge im Leben erfordern im Leben sehr viel Aufopferung und können daher auch jahrelang oder auch ein Leben lang beschäftigen. Ich bin natürlich immer noch der Meinung, dass man sich die Situation, die wir als Eltern in Deutschland mit der Betreuung erleben, so nicht vorgestellt hat. Viele Eltern möchten eine Veränderung – und diese Veränderung kommt. Sie wird kommen und kann auch unterstützt werden in dem wir darüber reden, es publizieren und einfach kundtun, was uns nicht gefällt. Es ist ein lebender Prozess: die richtige Betreuungsform zu finden ist das eine, jedem aber einen Platz im Kindergarten zu versprechen – oder rechtlich zuzusichern – das andere. Erzieher wachsen nicht vom Baum und der Prozess wird sicher noch lange andauern. Dennoch wird sich etwas verändern. Verändern müssen, denn so kann es nicht weitergehen.

Eine Differenzierung

Ich habe nach meiner Auszeit auf jeden Fall gelernt, dass ich differenzieren muss. Einerseits ist die Situation mit Junior zu betrachten – und sind wir mal ehrlich: dies ist meine wichtigste Aufgabe. Das Muttersein ist für jede Mutter, genau wie das Vatersein für jeden Vater – zumindest meiner Meinung nach – Aufgabe Nummer eins. Junior liebt den Kindergarten und geht unheimlich gerne hin. Sogar am Wochenende oder während der Feiertage fragt er, wann er wieder hingehen darf.

Und das ist toll: so soll es sein!

Auf der anderen Seite steht die unaufhörliche Fluktuation und die fehlende Struktur. Nicht speziell in unserem Kindergarten, sondern von der Stadt, ja gar dem Land – und wahrlich sogar der Bundesregierung vorgeschriebene – Grundvoraussetzung für alle Kinder gut betreut zu werden und pädagogisch wertvoll aufgehoben zu sein.

Ich werde weiter dafür kämpfen, dass sich etwas ändert. Ich fange hier in unserer Stadt an und werde weiter gehen. Ich erlebe viele Dinge durch Junior zum ersten Mal und sehe sie differenzierter als ich es noch als Dinki* getan habe. Ich weiss, das es vielen Eltern ähnlich geht: sie geben ihr Kind morgens im Ort der Betreuung ab und sind sich nicht hundertprozentig sicher, ob dies so gut ist. Einige Eltern haben keine Möglichkeit sich der Situation anders zu stellen, als sie einfach nur anzunehmen und dies ist aufgrund der Wirtschaftsform in Deutschland so vorgegeben. Dennoch will ich mich nicht nach hinten orientieren und glaube daran, dass gemeinsam eine Veränderung stattfinden kann. Eine Lösung habe ich nicht, denn diese muss erarbeitet werden. Ein Ziel und eine Vision habe ich jedoch ganz sicher. Und diese sollten alle Eltern anstreben.

Und allzu emotional kann und darf man dieses Thema auch nicht angehen. Das macht einen nur kaputt und reibt einen zu sehr auf. Dennoch ist klar, das die Situation so in vielen Kommunen nicht tragbar ist.

Woran orientierst Du Dich?

#MommyMonday

*Dinki: Double Income No Kids

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